Lira-Absturz, teure Rohstoffe Inflation in der Türkei steigt auf 54,4 Prozent

Die Entlassung des Statistik-Chefs hat aus Sicht von Präsident Recep Tayyip Erdoğan noch nicht viel gebracht: Auch für den Februar verkündet das nationale Statistikamt eine saftige Inflationsrate.
Bekämpft die Inflation nach Ansicht der meisten Ökonomen mit falschen Mitteln: Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan will die Inflation mit niedrigen ZInsen bekämpfen

Bekämpft die Inflation nach Ansicht der meisten Ökonomen mit falschen Mitteln: Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan will die Inflation mit niedrigen ZInsen bekämpfen

Foto: Depo Photos / imago images/Depo Photos

Die Verbraucherpreise in der Türkei sind im Februar durch den Absturz der Landeswährung Lira und teurer Rohstoffe so stark gestiegen wie seit über 20 Jahren nicht mehr. Sie erhöhten sich um 54,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistikamt am Donnerstag in Ankara mitteilte. Ökonomen hatten lediglich mit 53 Prozent gerechnet. Im Januar hatte der Anstieg rund 49 Prozent betragen. Allein von Januar auf Februar legten die Preise damit um 4,8 Prozent zu.

Als Hauptgrund für den starken Anstieg der Verbraucherpreise gilt die lockere Ausrichtung der türkischen Geldpolitik. Trotz der hohen Inflation hat die türkische Notenbank im vergangenen Jahr unter dem Druck von Präsident Recep Tayyip Erdoğan (68) den Leitzins mehrfach gesenkt, auf zuletzt 14,0 Prozent. Der türkische Präsident ist erklärter Gegner hoher Zinsen, die von Ökonomen als Mittel gegen hohe Inflation empfohlen werden. Das wiederum hat erheblich dazu beigetragen, dass die Lira im vergangenen Jahr zum Dollar um 44 Prozent abgewertet hat. Dadurch werden Importe teurer, die meist in ausländischen Währungen abgerechnet werden.

Ende Januar hatte Erdoğan bereits den Leiter der nationalen Statistikbehörde, Sait Erdal Dinçer, entlassen. Dinçer war Anfang Januar in die Kritik geraten, nachdem seine Behörde für Dezember einen Anstieg der Inflationsrate um gut 36 Prozent im Vorjahresvergleich bekannt gegeben hatte. Dies war der höchste Wert seit mehr als 19 Jahren.

Ukraine-Krise heizt die Inflation weiter an

Auch die aufgrund des Kriegs in der Ukraine immer weiter steigenden Gas-, Öl- und Getreidepreise heizen die Inflation in der Türkei weiter an. So legten die Erzeugerpreise im Februar um 105 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu, worin sich der Anstieg der Rohstoffpreise inmitten des Krieges gegen die Ukraine widerspiegelt.

Die Türkei unterhält enge Beziehungen zur Ukraine und zu Russland. Ankara verurteilt die Invasion, beteiligt sich aber nicht an Sanktionen gegen Russland. Der Sprecher von Präsident Erdoğan, Ibrahim Kalin, begründete das am Mittwoch unter anderem mit den engen wirtschaftlichen Verbindungen seines Landes zu Russland. Er betonte im Sender CNN International auch, dass ein Gesprächskanal zu Russland offen bleiben müsse.

Die Inflation wird bis in die letzten Monate des Jahres nahe dem Niveau vom Februar bleiben, sagte Jason Tuvey, Senior EM Economist bei Capital Economics. "Überschwappende Effekte der Russland-Ukraine-Krise, einschließlich höherer globaler Rohstoffpreise und potenziell neuer Unterbrechungen der Lieferkette, sprechen für ein Aufwärtsrisiko", sagte Ökonom Jason Tuvey von Capital Economics.

mg/Reuters, dpa-afx