Samstag, 21. September 2019

BIP wächst zweites Quartal in Folge Türkei lässt Währungskrise hinter sich

Skyline von Istanbul: Das türkische Bruttoinlandsprodukt ist im zweiten Quartal um 1,2 Prozent gewachsen

Die türkische Wirtschaft kommt nach der Währungskrise wieder auf stabilere Beine. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 1,2 Prozent zu, wie das Statistikamt am Montag in Ankara mitteilte. Das ist bereits das zweite positive Vierteljahr in Folge.

Dazu beigetragen haben die Exporte, die vom niedrigeren Lira-Kurs beflügelt wurden, der türkische Waren im Ausland billiger macht. Auch der Konsum in der Türkei lief besser als erwartet. Verglichen mit dem Vorjahresquartal schrumpfte die Wirtschaft allerdings um 1,5 Prozent.

"Wir denken, dass der Tiefpunkt im zweiten Quartal überschritten wurde", sagte Ökonom Muammer Komurcuoglu vom Finanzhaus Is Yatirim. "Aber die Erholung ist vorerst fragil." Für das Gesamtjahr rechnen Ökonomen mit einer Stagnation, nachdem die türkische Wirtschaft jahrelang Wachstumsraten von mehr als 5 Prozent geschafft hatte.

Der Boom endete im vergangenen Jahr durch die Währungskrise, die durch den diplomatischen Streit mit den USA und Zweifeln an der Unabhängigkeit der Zentralbank ausgelöst wurde. Dadurch verlor die Landeswährung Lira im vergangenen Jahr fast ein Drittel ihres Wertes, was Importe für Unternehmen verteuert und die Kaufkraft der Verbraucher belastet.

In diesem Jahr wertete die Lira um weitere 9,6 Prozent ab. Zugleich eröffnete ein Rückgang der Inflation der Zentralbank die Möglichkeit, ihren Leitzins zu senken. Dies fordert auch Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan. Ende Juli wurde der Leitzins von 24,0 Prozent auf 19,75 Prozent reduziert. Kurz zuvor hatte die Regierung den Notenbankchef ausgewechselt. Billigeres Geld kann Investitionen und Konsum anregen.

mg/rtr, dpa-afx

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