Montag, 15. Juli 2019

Rückkehr des starken Staats Wie Theresa May den Kapitalismus vor sich selbst retten will

Britanniens neue Regierungschefin Theresa May: "One Nation conservatism" als Leitbild

Sie ist die Übriggebliebene, die einzig mögliche Premierministerin, nachdem der Brexit-Schock ihren Vorgänger David Cameron und nacheinander alle aussichtsreichen Kandidaten für seine Nachfolge von der politischen Bühne gefegt hat. Dennoch tritt Theresa May machtvoll an, um das Land mindestens bis 2020 zu führen und grundlegend zu verändern - wobei der EU-Austritt selbst schon fast zur Nebensache verkommen könnte.

"Brexit bedeutet Brexit", stellte die neue Anführerin der Konservativen am Montag in einem noch als Wahlkampfrede gedachten Auftritt in Birmingham klar - setzte jedoch die Prioritäten anders: Wirtschaft, Wirtschaft und Wirtschaft, obwohl sie sich als Innenministerin bisher kaum wirtschaftspolitisch positionierte.

Unter dem Motto "ein Land für alle" wendet sich May ausdrücklich vom Vertrauen ins freie Spiel der Märkte ab, der seit Margaret Thatcher die Richtschnur für Londons Regierende war. Sie selbst spricht von einem "Bruch mit der Vergangenheit", von "einer anderen Art Konservatismus". Sie wolle den Staat stärken und "unverbrüchlich in den Dienst gewöhnlicher arbeitender Leute stellen".

Zuletzt wurde die konsensorientierte Pfarrerstochter May schon mehr mit Angela Merkel als mit ihrer Parteiikone Thatcher verglichen. Doch ihr Programm enthält mehrere Elemente, die nicht nur die künftige Premierministerin selbst als "radikal" empfindet, zumindest für britische Verhältnisse.

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