Mehr als hundert Tote bei Terrorattacken in Paris Frankreich im Notstand - Schulterschluss der internationalen Gemeinschaft

Frankreichs Präsident Hollande hat nach dem Anschlag auf Deutschlands Nachbar mit mehr als hundert Toten den Ausnahmezustand verhängt. Sofort nach den Morden hat sich die internationale Gemeinschaft hinter dem Land versammelt.
Von mm-newsdesk

Die französische Hauptstadt Paris ist am Freitag von einer Terrorserie erschüttert worden. Staatsanwalt François Molins befürchtet, dass mindestens 120 Menschen getötet wurden. Zudem seien fünf Terroristen "neutralisiert" worden. Ermittler sprechen davon, dass insgesamt mehr als 200 Menschen verletzt wurden, 80 von ihnen offenbar schwer.

Frankreichs Präsident François Hollande sprach von "bisher nie dagewesenen Terrorangriffen" und verhängte den Ausnahmezustand in ganz Frankreich. Nach bisherigen Erkenntnissen begannen die Anschläge am Freitag um kurz nach 21 Uhr an mindestens sechs verschiedenen Orten.

Ein Überblick:

Geiselnahme in der Konzerthalle Bataclan: In dem Club im Stadtzentrum fand am Freitagabend vor 1500 Zuschauern ein Konzert der kalifornischen Band Eagles Of Death Metal statt. Mehrere Terroristen stürmten die Halle, schossen um sich und nahmen die Anwesenden als Geiseln. Die Polizei griff ein. Über die Zahl der Todesopfer gibt es unterschiedliche Angaben, die Rede ist von mindestens 70.

Nach Angaben der Polizei töteten sich drei der Angreifer selbst, indem sie ihre Sprengstoffgürtel zündeten. Ein vierter sei von der Polizei getötet worden. Augenzeugen berichteten, bei den Terroristen habe es sich um junge Männer gehandelt, die mit Maschinengewehren bewaffnet waren.

Explosionen am Stadion: Im Stade de France wurde am Freitagabend das Fußballländerspiel zwischen Deutschland und Frankreich ausgetragen. Während der ersten Halbzeit waren drei Explosionen zu hören. Das Freundschaftsspiel wurde fortgesetzt, im Anschluss reagierten die Menschen im Stadion erst ängstlich, dann panisch, dann recht besonnen. Mindestens vier Menschen starben, es gab es zahlreiche Verletzte. Eine der Explosionen wurde laut Ermittlerkreisen durch einen Selbstmordattentäter ausgelöst. Auf der Ehrentribüne im Stadion saßen auch Hollande und der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Das DFB-Team verließ das Stade de France erst Stunden nach Abpfiff - aus Angst vor einem Anschlag nicht im auffälligen Mannschaftsbus.

Schüsse in Restaurants und Cafés: Ebenfalls im Zentrum von Paris sind mehrere Menschen in einem Restaurant getötet worden. Der Angreifer soll eine großkalibrige Waffe eingesetzt haben. Auf dem Boulevard Voltaire soll ein Attentäter einen Sprengstoffgürtel gezündet haben. Zudem wurden im Café "Le Carillon" mindestens 14 Menschen getötet, im Café "La Belle Équipe" mindestens 18.Über die Identität der Angreifer ist bisher noch nichts bekannt. Auch über ihre Motive wird bisher nur spekuliert.

Nach den ersten Meldungen über die Attacken wandte sich Hollande an seine Landsleute. "Die Terroristen wollen uns in Angst und Schrecken versetzen. Man kann Angst haben, man kann Schrecken verspüren", sagte er. "Aber dem Entsetzen steht eine Nation gegenüber, die weiß, wie sie sich verteidigt. Die weiß, wie sie ihre Kräfte sammelt. Und die einmal mehr wissen wird, wie sie die Terroristen besiegen wird."

Weltweit versicherten Staats- und Regierungschefs Frankreich ihre Solidarität und boten umfassende Hilfe an, darunter US-Präsident Barack Obama, Großbritanniens Premier David Cameron, Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi, Kanadas Premier Justin Trudeau sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel.

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Das Auswärtige Amt hat noch keine Gewissheit, ob Deutsche unter den Opfern der Anschläge sind. "Das Auswärtige Amt hat noch am Abend einen Krisenstab eingerichtet, der mit der Botschaft Paris und den französischen Behörden die ganze Nacht über in Kontakt stand", erklärt ein Sprecher. Für den Vormittag sei eine weitere Sitzung geplant.

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Die Anschlagserie in Paris hat nach Angaben von Airlines zunächst keine Auswirkungen auf den Flugverkehr von Deutschland in die französische Hauptstadt. "Alle Flüge sind planmäßig vorgesehen", sagte ein Lufthansa-Sprecher am Samstagmorgen der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Die Frage, ob es zu Auswirkungen auf den Flugbetrieb kommt, hänge davon ab, welche konkreten Maßnahmen die französischen Behörden noch ergreifen. Die Lufthansa hat samstags 18 Flüge zwischen München beziehungsweise Frankfurt und Paris.

Auch bei Germanwings sollte der Flugbetrieb nach den Worten eines Sprechers normal laufen.

 la/spon/mmo/ar/soc