Mittwoch, 17. Juli 2019

Volksabstimmung Die Schweizer Lösung für die Eurokrise

Die Schweizer stimmen am Sonntag über ihre Geldsystem ab

3. Teil: Entschuldung für die Eurozone

Die Schweiz braucht die Umstellung auf Vollgeld ohnehin nicht so dringend wie die Eurozone. Dies liegt an zwei Gründen. Zum einen ist das Bankensystem des Landes heute weitaus solider finanziert. Zum anderen braucht das Land nicht die finanzielle Nebenwirkung der Aktion: nämlich den einmaligen Umstellungsgewinn in Milliardenhöhe, der vom Staat zur Schuldentilgung verwendet werden kann.

Genau das braucht aber die Eurozone. Wie an dieser Stelle immer wieder ausgeführt, benötigt die Eurozone einen Schuldenschnitt für staatliche und private Schulden in der Größenordnung von drei bis fünf Billionen Euro. Da diese Summe nicht so einfach aufzutreiben ist, gehen alle Maßnahmen der "Euroretter" in zwei Richtungen:

1. Erhöhung der Verschuldungskapazität durch "Einbindung" des deutschen Steuerzahlers (Eurobudget, Eurofinanzminister, Bankenunion, etc.)

2. Monetarisierung der Schulden durch die EZB, die dazu Staatsanleihen in Billionenumfang aufkauft und perspektivisch erlassen soll.

Das Problem mit dieser Strategie ist, dass 1 nicht funktioniert und 2 zu lange dauert. Bevor 2 umgesetzt ist, haben wir in allen Ländern der Eurozone "populistische" Regierungen.

Hier kann die Umstellung auf Vollgeld helfen. Schon 1936 erwarteten die Autoren des Chicago Plans einen einmaligen Gewinn der US-Notenbank aus der Umstellung. 2012 rechneten zwei Forscher im Auftrag des IWF nach und kamen zum gleichen Ergebnis. Die Umstellung würde im Beispiel der USA zu einer völligen Entschuldung des Staates führen und zugleich eine deutliche Reduktion der privaten Verschuldung ermöglichen.

Wie das? In einem ersten Schritt müssen die Banken sämtliche Ausleihungen zu 100 Prozent mit Einlagen decken. Da sie das bisher nicht tun, müssen sie sich das dazu erforderliche Geld bei der Zentralbank leihen. Statt heute nur wenige Prozente (Mindestreserve), würde die Zentralbank die Ausleihungen zu 100 Prozent refinanzieren. Folge ist eine erhebliche Bilanzverlängerung des Bankensystems.

Da die Notenbank dem Staat gehört, wäre der Staat dann Kreditgeber und Schuldner zugleich, halten die Banken doch im erheblichen Umfang Staatsanleihen. Verrechnet man diese Forderungen der Banken gegen den Staat mit den Verbindlichkeiten gegenüber der Notenbank, kommt es wieder zu einer Verkürzung der Bilanz. Bezieht man die nicht von Banken gehaltenen Staatsanleihen mit ein, ist der Staat damit schuldenfrei. Im Fall der USA würde es sogar eine teilweise Tilgung der privaten Schulden ermöglichen, da der Finanzsektor in Summe Verbindlichkeiten von rund 200 Prozent des BIP hat. In Europa wäre der Effekt deutlich größer, ist doch der Bankensektor mit rund 300 Prozent vom BIP viel aufgeblähter.

Letztlich handelt es sich um eine "Monetarisierung" der bestehenden Schulden. Das muss keineswegs inflationär sein, da Inflation sich nur aus einer Mehrnachfrage und damit letztlich Kreditwachstum ergibt. Ohnehin läuft die derzeitige Strategie der Notenbanken über den Aufkauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren, im Fachjargon "Quantitative Easing" genannt, auf eine Monetarisierung hinaus.

Bei der Umstellung auf Vollgeld könnte jedoch glaubhafter gemacht werden, dass es sich um eine einmalige Aktion handelt und nicht um den Einstieg in eine dauerhafte Finanzierung des Staates durch die Notenbank. Lediglich das laufende Geldmengenwachstum würde über die Zuweisung von Geld an den Staat erfolgen. Alternativ und noch besser wäre die Zuteilung an jeden Bürger direkt.

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