US-Insiderin über Putins Milliarden Die Folgen der Oligarchen-Jagd

Die Offshore-Finance-Spezialistin Brooke Harrington über die Sanktionen gegen Russlands Superreiche, Putins wahres Vermögen – und den möglichen Anfang vom Ende der Steuerparadiese.
Jacht-Jäger: Anfang April durchsuchten spanische Behörden auf Mallorca die Superjacht "Tango", die dem Oligarchen Viktor Vekselberg zugeordnet wird

Jacht-Jäger: Anfang April durchsuchten spanische Behörden auf Mallorca die Superjacht "Tango", die dem Oligarchen Viktor Vekselberg zugeordnet wird

Foto: Francisco Ubilla / AP

Seit vielen Jahren erforscht Brooke Harrington die Welt der Superreichen und der Offshore-Paradiese. Um hinter die verschlossenen Türen zu kommen, wählte die heutige Soziologieprofessorin am Dartmouth College in New Hampshire einen sehr ungewöhnlichen und aufwendigen Weg: Mit einem Stipendium der Max-Planck-Gesellschaft absolvierte sie selbst zwei Jahre lang eine harte Zusatzausbildung zur Vermögensverwalterin. Ihr Bestseller "Capital without Borders. Wealth Managers and the One Percent" aus dem Jahr 2016 basiert auf über 60 Interviews mit den persönlichen Beratern von Superreichen in den beliebtesten 18 Steueroasen.

Als die US-Regierung kürzlich verkündete, mit einer neuen Taskforce "Kleptocapture" gegen die sanktionierten russischen Oligarchen vorzugehen, bot sie sofort ihr Know-how an. Schließlich hat Harrington schon viele internationale Organisationen und Unternehmen beraten, wenn es um Geldwäsche und heimliche Milliardenvermögen geht. In Washington landete sie aber vorerst nur in einer grotesken Bürokratieschleife.

manager magazin: Frau Harrington, seit Russlands Angriff auf die Ukraine geht der Westen scharf wie noch nie gegen die Oligarchen vor. Welche Rolle spielen sie in Putins Machtsystem?

Brooke Harrington: Es gibt in allen Ländern einen grundsätzlichen Unterschied zwischen Oligarchen und Leuten, die einfach nur sehr reich sind. Oligarchen haben eine politische Rolle. In manchen Ländern – wir sehen das auch in den USA – mischen sie sich vor allem innenpolitisch ein. Putin hat seine Innenpolitik eisern im Griff. Er hat die Oligarchen als eine Art informelle Botschafter oder Agenten in den Westen geschickt. Ihre Aufgabe ist es, hier die politischen und kulturellen Institutionen zu infiltrieren und zu manipulieren.  Ihnen zumindest die Kraft zu nehmen, Putin irgendwie in die Quere zu kommen. Deshalb erlaubt er diesen Oligarchen auch ihren Reichtum, ihre teuren Spielzeuge wie die Megajachten. Denn dadurch kommen sie in enge Kontakte mit denjenigen, die man bei uns die Mover und Shaker nennt: Staatschefs, CEOs, die Kulturelite, Popstars.

Es geht also um eine Art politische Hofhaltung?

All die Privatjets, Sportklubs oder Villen in Südfrankreich eröffnen den Zugang zu den einflussreichen gesellschaftlichen Kreisen. Wo man dann auch mal beiläufig ins Ohr flüstern kann, dass Putin doch im Grunde harmlos ist. Wo man ein schönes Millionengeschäft mit Goldminenaktien anbietet und nebenbei um einen kleinen Gefallen bittet. Eine kleine Mitteilung an den Premierminister vielleicht. Es ähnelt dem Geschäftsstil der Mafia, nur dass es viel ostentativer ist.

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