Montag, 17. Februar 2020

Protestpartei erobert Roms Rathaus Virginia Raggi wird Roms erste Bürgermeisterin

Virginia Raggi

Die Kandidatin der Protestbewegung Fünf Sterne, die Polit-Quereinsteigerin Virginia Raggi, steht nach Hochrechnungen vor einem Triumph. Für die Partei des sozialdemokratischen Premiers Renzi bahnt sich eine herbe Niederlage an.

In Italien ist die Kandidatin der Protestpartei Fünf Sterne, Virginia Raggi, Prognosen zufolge zur ersten Bürgermeisterin Roms gewählt worden. Laut Nachwahlbefragungen kam Raggi bei der zweiten Runde der Kommunalwahl in der italienischen Hauptstadt am Sonntag auf mehr als 60 Prozent der Stimmen.

Raggi lag damit deutlich vor ihrem Konkurrenten Roberto Giachetti von der Demokratischen Partei (PD) des Ministerpräsidenten Matteo Renzi. Der 55-Jährige räumte seine Niederlage ein und gratulierte der Rechtsanwältin zum Sieg.

Die 37-jährige Raggi hatte bereits die erste Wahlrunde vor zwei Wochen mit gut 35 Prozent der Stimmen klar gewonnen. Giachetti, Vizepräsident des italienischen Abgeordnetenhauses, war im ersten Durchgang auf knapp 25 Prozent der Stimmen gekommen.

Die Stichwahl in Rom war notwendig geworden, weil keiner der beiden in der ersten Runde am 5. Juni mehr als 50 Prozent der Stimmen erhalten hatte. Auch in anderen Großstädten fanden Stichwahlen statt. In Turin führt ersten Prognosen zufolge ebenfalls die Fünf-Sterne-Bewegung. In Mailand liegt die PD vorne.

Kommunalwahlen fanden in insgesamt 126 italienischen Gemeinden statt. Bis 23 Uhr konnten mehr als neun Millionen Wahlberechtigte ihre Stimme abgeben. Die Wahlbeteiligung war noch geringer als vor zwei Wochen: Bis 19 Uhr lag sie laut Innenministerium bei nur 36,5 Prozent - am 5. Juni waren es 43,6 Prozent gewesen.

Die Kommunalwahlen sind ein wichtiger Stimmungstest für Renzi. Der Sieg von Raggi in Rom bedeutet einen herben Schlag nicht nur für die Regierung, sondern auch für seine Mitte-links-Partei.

Die 2009 ursprünglich als Protestbewegung gegründete Partei Fünf Sterne des Starkomikers Beppe Grillo erhoffte sich von den Wahlen und insbesondere dem Ergebnis in Rom einen Schub für ihre Festigung als größte Oppositionspartei. Spätestens im Juni 2018 finden in Italien Parlamentswahlen statt.

soc, Spiegel Online

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