Rekordwert Inflation in der Euro-Zone klettert auf 10,7 Prozent

Mit 10,7 Prozent hat die Inflation in der Euro-Zone einen neuen Höchstwert erreicht. Am stärksten steigen die Preise in den baltischen Ländern und in den Niederlanden.
Kostentreiber: Im Oktober stiegen die Energiepreise in der Euro-Zone um 41,9 Prozent

Kostentreiber: Im Oktober stiegen die Energiepreise in der Euro-Zone um 41,9 Prozent

Foto: Jens Büttner / dpa

Die Inflation in der Eurozone hat im Oktober einen neuen Höchstwert erreicht. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stiegen die Verbraucherpreise um 10,7 Prozent, wie das EU-Statistikamt Eurostat in Luxemburg am Montag in einer ersten Schätzung mitteilte. Im September hatte die Teuerungsrate in der Eurozone bei 9,9 Prozent gelegen.

Wie bereits in den vergangenen Monaten legten besonders die Energiepreise zu. Im Oktober stiegen diese um 41,9 Prozent. Lebensmittel, Tabak und Alkohol verteuerten sich um 13,1 Prozent.

Am höchsten ist die Inflation weiterhin mit jeweils rund 22 Prozent in den drei baltischen Staaten Estland, Litauen und Lettland. Auch in den Niederlanden fiel die Teuerungsrate mit fast 17 Prozent erneut sehr hoch aus. Am niedrigsten war sie in Frankreich (7,1 Prozent) und Spanien (7,3 Prozent).

Für Deutschland ging die EU-Statistikbehörde von einer Inflationsrate 11,6 Prozent aus. Das Statistische Bundesamts in Wiesbaden hatte in seiner ersten Schätzung am Freitag eine Inflationsrate von 10,4 Prozent ausgewiesen. Eurostat verwendet eine andere Berechnungsmethode, um die Werte der verschiedenen Länder vergleichbar zu machen.

Leichtes Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone

Trotz Rekordinflation und Ukraine-Krieg wuchs die Wirtschaft der Euro-Zone im Sommer etwas. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg zwischen Juli und September um 0,2 Prozent zum Vorquartal, wie Eurostat mitteilte.

"Es ist eine gute Nachricht: Die Wirtschaft der Euro-Zone wächst noch", sagt Jörg Zeuner, Chefökonom der Union Investment, "allen Widrigkeiten zum Trotz haben der anhaltende Beschäftigungsaufbau und ein immer umfangreicheres regulatorisches und fiskalpolitisches Eingreifen verhindert, dass der Konsum infolge des inflationsbedingten Realeinkommensverlusts sinkt." Dazu beigetragen hätten auch Ersparnisse der Konsumenten aus der Zeit der Pandemie. "Die zweite gute Nachricht: Deutschland hat zur Stärkung des europäischen BIP beigetragen", so Zeuner.

Grund zum Jubel bestehe trotzdem nicht: "Die BIP-Zahlen deuten wie viele andere Indikatoren darauf hin, dass die Konjunktur über den Sommer deutlich an Fahrt verloren hat. Im Winterhalbjahr wird die Wirtschaftsleistung rückläufig sein. Die Gründe dafür sind vor allem die hohen Energiepreise, die mittlerweile nicht mehr nur die Industrie, sondern auch den Dienstleistungssektor belasten. Und auch den Verbrauchern machen die gestiegenen Lebenshaltungskosten zu schaffen. Hinzu kommt, dass die steigenden Finanzierungskosten auch die Unternehmensinvestitionen hemmen", sagt der Ökonom.

hr/afp,reuters
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