Preisexplosion Eon stoppt Neuverträge für Gas

Weil Gas schlicht zu teuer geworden ist, bietet Eon Neukunden vorerst keine Verträge mehr an. Derweil will die EU heute ihren Mitgliedstaaten bestimmte Maßnahmen im Kampf gegen hohe Energiekosten erlauben, die den Markt aber nicht verzerren sollen.
Eon zieht die Notbremse: Der Energiekonzern stoppt wegen der Gaspreisexplosion vorerst das Neugeschäft mit Neukunden

Eon zieht die Notbremse: Der Energiekonzern stoppt wegen der Gaspreisexplosion vorerst das Neugeschäft mit Neukunden

Foto: Thilo Schmuelgen / REUTERS

Der Energiekonzern Eon zieht wegen der Preisexplosion beim Gas die Reißleine und stoppt vorerst das Neukundengeschäft für Privatkunden. "Leider können wir Ihnen derzeit keine Erdgas-Produkte anbieten", teilte der Versorger auf seiner Internetseite am Dienstag mit . Bestandskunden seien nicht betroffen, erklärte der Konzern auf Nachfrage. "Lediglich unsere Neukundenprodukte überarbeiten wir aktuell seit wenigen Tagen, da wir die stark gestiegenen Beschaffungskosten in unserer Preisstellung berücksichtigen müssen", sagte ein Sprecher.

Im September hatte die Firma Deutsche Energiepool mitgeteilt, vielen Kunden die Gas-Lieferverträge gekündigt zu haben. Eon sprang als zuständiger Grundversorger ein und macht dies nach eigenen Angaben auch weiterhin.

In den vergangenen Monaten sind die Großhandelspreise für Gas international auf Rekordstände geklettert. Seit Jahresbeginn ist der Großhandelspreis für Erdgas um rund 440 Prozent gestiegen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Der lange Winter 2020/2021 und daraus resultierend recht leere Gasspeicher, Wartungsarbeiten an den Anlagen, zurückgehende Förderung in Europa, der globale Wirtschaftsboom nach der Coronakrise und damit eine stark gestiegene Nachfrage – und nicht zuletzt eine zurückhaltende Lieferpolitik Russlands.

Das bekommen auch die Verbraucher zu spüren: Die Gaskosten für einen Haushalt in Deutschland mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden liegen nach Angaben des Vergleichportals verivox.de im Oktober 2021 bei durchschnittlich 1402 Euro pro Jahr - ein Plus von rund 28 Prozent binnen eines Jahres. Drastischer sind die Folgen für Verbraucher in anderen europäischen Ländern: In Großbritannien kletterte die Gaspreise seit Jahresbeginn um rund 250 Prozent.

Mit dem Gaspreis steigt der Strompreis

Doch was können die Staaten gegen die Gaskrise und rasant steigende Energiepreise tun? Auf diese Frage will die Europäische Kommission an diesem Mittwoch eine Antwort geben. Die Brüsseler Behörde legt eine sogenannte Toolbox vor. Der Werkzeugkasten soll Maßnahmen enthalten, die EU-Länder national anwenden können, ohne den Markt zu verzerren. Haushalte und Unternehmen leiden zunehmend unter dem Druck anziehender Heiz- und Stromkosten.

Gas wird genutzt zum Heizen, aber auch zur Stromerzeugung - der fossile Brennstoff hat also auch einen Einfluss darauf, wie viel Strom kostet. In Deutschland ist Strom an der Börse seit Januar rund 140 Prozent teurer geworden, in Italien 340 Prozent und in Spanien sogar 425 Prozent.

Was EU-Staaten gegen hohe Energiepreise tun wollen

Mehrere Mitgliedstaaten haben kurzfristig eingegriffen, um Privathaushalte vor hohen Strom- und Heizungsrechnungen zu schützen. Frankreich hat beispielsweise eine Tarifbremse versprochen und will ärmeren Haushalten 100 Euro zahlen. Italien will drei Milliarden Euro ausgeben, um Haushalten einen Teil ihrer Strom- und Gasrechnungen zu erlassen, etwa durch Steuersenkungen. Die "Toolbox" soll solche und ähnliche Maßnahmen zusammentragen und koordinieren.

Manchen Mitgliedstaaten ist das allerdings nicht genug. Der französische Finanzminister Bruno Le Maire sagte vergangene Woche, Energiepreise würden in Zeiten der Energiewende unbeständig bleiben. Länder wie Spanien, Frankreich und Griechenland haben langfristige Maßnahmen auf europäischer Ebene gefordert. Unter anderem wollen die Staaten Gaseinkäufe koordinieren, gemeinsame Gasreserven schaffen und den Preis von Strom und Gas entkoppeln. Solche mittelfristigen Maßnahmen könnten in der "Toolbox" aufgelistet werden. Konkrete Verhandlungen dazu soll es aber erst bei einem EU-Gipfel am 21. und 22. Oktober geben, wie Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vergangene Woche sagte.

rei/Reuters/DPA
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.