Dienstag, 17. September 2019

Einigung in der Nacht EU beschließt Verbot von Einweg-Plastik

Plastik-Einweg-Geschirr: Das Verbot soll erst in zwei Jahren in Kraft treten. Offenbar will die EU der Industrie ausreichend Zeit zur Umstellung einräumen
imago/Jochen Tack
Plastik-Einweg-Geschirr: Das Verbot soll erst in zwei Jahren in Kraft treten. Offenbar will die EU der Industrie ausreichend Zeit zur Umstellung einräumen

Riesige Mengen Plastikmüll landen jedes Jahr in den Ozeanen. Nun will die Europäische Union gegensteuern. Einige Alltagsprodukte sollen verschwinden, andere mit Reduktionszielen zurückgedrängt werden. Spannend dürfte vor allem die Option sein, die Industrie künftig an den Kosten zur Müllbeseitigung zu beteiligen.

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    Milliarden Tonnen an Plastik wurden bereits produziert, für Verpackungen, als Baumaterial, als Grundstoff für besonders langlebige Produkte und vieles mehr. Doch Plastik vermüllt zunehmend den Planeten und wird zur Gefahr für die Menschheit. Lesen Sie alles über Produzenten, Verbraucher, Lösungsansätze.
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Das EU-Verbot von Plastiktellern, Trinkhalmen und anderen Wegwerfprodukten aus Kunststoff ist unter Dach und Fach. Unterhändler des Europaparlaments und der EU-Staaten einigten sich am Mittwochmorgen in Brüssel auf die Einzelheiten. Das Verbot soll dazu beitragen, die Massen von Plastikmüll in der Umwelt und in den Weltmeeren einzudämmen.

Die EU-Kommission hatte im Mai vorgeschlagen, Einmalgeschirr, Strohhalme, Wattestäbchen und andere Wegwerfartikel aus Plastik zu verbieten. Die Menge an Lebensmittel-Verpackungen und Trinkbechern soll mit Reduktionszielen zurückgedrängt werden. EU-Parlament und EU-Länder hatten die Pläne im Gesetzgebungsverfahren leicht verändert. Sie müssen die Einigung der Unterhändler noch offiziell bestätigen. In Kraft treten werden die Änderungen voraussichtlich in gut zwei Jahren.

Verbote nur dort, wo es Alternativen gibt

Die Strategie gegen Plastikmüll dürfte für fast Jeden im Alltag spürbare Veränderungen bringen. Verboten werden sollen aber nur Gegenstände, für die es bessere Alternativen gibt. Bedeutsam ist das Paket vor allem für die Kunststoffbranche, die nach Behördenangaben 2015 einen Umsatz von 340 Milliarden Euro machte und 1,5 Millionen Menschen beschäftigte.

Die EU-Kommission verspricht sich von dem Plan große Umweltvorteile. Die Maßnahmen sollen den Ausstoß von Kohlendioxid um 3,4 Millionen Tonnen verringern. Bis 2030 könnten Umweltschäden im Wert von 22 Milliarden Euro vermieden werden, hieß es. Verbraucher könnten bis zu 6,5 Milliarden Euro sparen. Die Kommission begründet den Vorstoß vor allem mit dem Schutz der Ozeane. Mehr als 80 Prozent des Mülls in den Meeren seien Plastik.

Industrie könnte künftig an Müllkosten beteiligt werden

Teil der neuen Strategie ist die Beteiligung von Herstellern an den Kosten für das Aufräumen. So könnte die Tabakindustrie künftig für das Einsammeln von Zigarettenstummeln zur Kasse gebeten werden.

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Bild: Newscom

"Wer Wegwerfartikel wie Zigaretten herstellt, wird künftig mehr Verantwortung für den Müll übernehmen müssen", sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "So könnte die Zigarettenindustrie zum Beispiel an den Kosten für die Reinigung von Stränden oder Parks beteiligt werden." Bisher zahlen dafür vor allem der Steuerzahler oder die Tourismusbranche. Die Hersteller von Fischernetzen mit Plastikkomponenten sollen ebenfalls für die Entsorgung zur Kasse gebeten werden.

Greenpeace sieht zu viele Schlupflöcher für die Industrie

Greenpeace hatte schon im Vorfeld die Vorschläge als unzureichend kritisiert. Die Definition von Einwegplastik sei viel zu eng, kritisierte Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack. Damit öffne sich ein Schlupfloch für die Plastikindustrie: Was zum Beispiel passiert, wenn die Konzerne ihre Wegwerfartikel wie Plastikbecher oder Strohhalme künfitg als wiederverwendbar kennzeichnen? Reduktionsziele ließen sich so leicht umgehen.

Die Plastikindustrie wiederum warnte vor drohenden Einbußen im Lebensmittelsektor oder Probleme bei der Lebensmittelhygiene, wenn der Plastikverbrauch drastisch gesenkt werde. Bislang nutzten Millionen von Europäern täglich Verpackungen für Essen oder Getränke zum Mitnehmen.

rei/dpa

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