Irischer Finanzminister setzt sich durch Paschal Donohoe wird Chef der Euro-Gruppe

Die Führung der Euro-Gruppe wechselt nach Irland. Der konservative Finanzminister Paschal Donohoe hat sich gegen Kandidaten aus Spanien und Luxemburg durchgesetzt.
Paschal Donohoe

Paschal Donohoe

Foto: PAUL FAITH/ AFP

Der irische Finanzminister Paschal Donohoe (45) wird neuer Chef der Euro-Gruppe. Dies entschieden die 19 Staaten der Gemeinschaftswährung am Donnerstag in einer Videokonferenz, wie der scheidende Gruppenchef Mário Centeno (53) auf Twitter mitteilte. Donohoe setzte sich gegen zwei Mitbewerber durch: die Spanierin Nadia Calviño (51), Sozialistin wie Centeno, und den Luxemburger Pierre Gramegna (62) von der liberalen Demokratischen Partei. Centeno gibt das Amt nach zweieinhalb Jahren ab.

Die Euro-Gruppe ist ein informelles Gremium der Wirtschafts- und Finanzminister aus den 19 Staaten der Währungszone. Sie beraten normalerweise einmal im Monat und koordinieren sich in Fragen der Wirtschafts- und Finanzpolitik. Der oder die Vorsitzende gilt als einflussreicher Koordinator und Wortführer.

Donohoe gehört der bürgerlichen Partei Fine Gael an und ist seit Juni 2017 Finanzminister seines Landes. Er hatte die Unterstützung der christdemokratischen Parteienfamilie Europäische Volkspartei. Der verheiratete Vater zweier Kinder hat einen Abschluss in Politik und Wirtschaft.

Schwerste Krise in der Geschichte des Euro

Der Wechsel kommt mitten in der tiefsten Rezession in der Geschichte der Europäischen Union und der 2002 als Zahlungsmittel eingeführten Gemeinschaftswährung. Laut offizieller Prognose wird die Wirtschaftsleistung der Euro-Zone dieses Jahr wegen der Corona-Krise um 8,7 Prozent schrumpfen und sich nächstes Jahr nur teilweise erholen.

Der scheidende Vorsitzende Centeno äußerte jedoch die Hoffnung, dass die erwogenen Konjunkturhilfen das Schlimmste abwenden können: "Ich erwarte, dass diese politische Antwort das Schicksal verändert und uns hilft, den Schlag abzufedern und den Binnenmarkt zu schützen."

In Interviews forderte Donohoe in den vergangenen Tagen eine Rolle der Euro-Gruppe im Ringen um das geplante EU-Wiederaufbaupaket nach der Corona-Krise. Und diese Krise dürfte ihn in den zunächst zweieinhalb Jahren seiner Amtszeit auch am meisten beschäftigen. Er wolle "eine faire und inklusive wirtschaftliche Erholung für alle sichern" und stelle sich der Herausforderung mit Entschlossenheit, schrieb Donohoe nach seiner Wahl auf Twitter.

ak/dpa-afx