Donnerstag, 21. November 2019

Vier Szenarien für die britische Wahl Warum die Wahl der Briten wieder alles spannend macht

4. Teil: Hung Parliament

Brexit-Minister David Davis, innerparteilicher May-Rivale

Wenn der Stimmenvorsprung der Konservativen auf 3 Prozentpunkte oder weniger schrumpft, ist ihre absolute Mehrheit im Parlament wohl futsch - genau damit rechnet das Online-Umfrageinstitut Yougov. Dann wäre ein Rücktritt Mays und eine innerparteiliche Revolte zu erwarten, in jedem Fall eine schwierige Regierungsbildung. Von einem "hung parliament" sprechen die Briten, die absolute Mehrheiten gewöhnt sind.

Eine Koalition wie 2010 bis 2015 haben die Liberaldemokraten als mögliche Mehrheitsbeschaffer bereits ausgeschlossen. Sollte sie doch kommen, wäre das die größte Hoffnung der EU-Befürworter, den Brexit doch noch zu kippen - doch die ist minimal. Die Liberalen wollen zwar ein zweites Referendum über das Ergebnis der Brexit-Verhandlungen, doch auch sie rechnen nicht mit einem Erfolg. Außerdem haben sie, von ihren Wählern für den radikalen Sparkurs der Regierungszeit abgestraft, sich ein eher linksliberales Programm mit höheren Steuern gegeben.

Wahrscheinlicher wäre eine konservative Minderheitsregierung mit Unterstützung der nordirischen Unionisten, die aber untereinander zerstritten sind und zudem in der Krise ihres eigenen Landes mit Neuwahlen in Serie stecken. Zudem müsste sie darauf zählen, dass die irischen Nationalisten von Sinn Fein ihre Mandate in London weiterhin nicht annehmen und so die Zahl der für eine Mehrheit benötigten Sitze reduzieren - auch alles andere als stark und stabil.

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung