Mittwoch, 13. November 2019

Vier Szenarien für die britische Wahl Warum die Wahl der Briten wieder alles spannend macht

3. Teil: Weak and Wobbly

Parlamentssitzung zur Neuwahl im April

Als wahrscheinlichster Fall muss gelten, dass die Konservative Partei ihre Mehrheit im Parlament verteidigt, aber nur so gerade eben. Nach der Wahl wären die Machtverhältnisse so wie vor der Wahl - mit dem Unterschied, dass May sich an den zuvor hohen Erwartungen messen lassen müsste und als führungsschwach erscheinen würde. Sollte die Partei sogar Sitze verlieren, könnte die Ära May nach einem knappen Jahr schon wieder vorbei sein.

Eine Regierung zu bilden, wäre noch die leichte Übung. Aber wofür diese Regierung dann steht, wäre vermutlich eher erratisch, weil sie nervös auf inner- wie außerparteiliche Opposition reagieren und zugleich mit Verzweiflungstaten Stärke beweisen wollen würde. Sie könnte im einen Moment die Energieversorger verstaatlichen, im nächsten den Gesundheitsdienst zerschlagen, internationale Konzerne mit Steuerrabatten anlocken und Millionen EU-Bürger ausweisen - oder das Gegenteil.

All das ist im May-Universum möglich, das seit dem Brexit-Referendum herrschende Chaos würde zum Dauerzustand. Auch die EU-Unterhändler müssen sich auf weiterhin wechselnde Positionen einstellen. Dumm nur, dass mit dem vor der Wahl begonnenen Austrittsverfahren die Uhr tickt. Im März 2019 verlässt Großbritannien die EU, auch wenn bis dahin keine Einigung für Übergangsregeln steht. "Kein Deal ist besser als ein schlechter Deal", heißt die May-Doktrin.

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