Samstag, 23. November 2019

Vier Szenarien für die britische Wahl Warum die Wahl der Briten wieder alles spannend macht

2. Teil: Die Eiserne Lady

Premierministerin Theresa May
Getty Images
Premierministerin Theresa May

Ihr Wahlziel hätte Theresa May erreicht, wenn sie die aktuell knappe Mehrheit ihrer Konservativen Partei im Unterhaus deutlich ausbauen würde. Sie müsste dann keine Rücksicht auf Abweichler mehr nehmen und könnte die Partei, in der sich noch reichlich Brexit-Skeptiker tummeln ebenso wie noch radikalere EU-Gegner, auf ihre Linie einschwören. Das Bild der "eisernen Lady" soll an Amtsvorgängerin Margaret Thatcher erinnern, die zweimal wiedergewählte Tory-Ikone.

Der aktuelle Wahlkampf lässt dieses Bild abwegig erscheinen. Doch nur das Ergebnis am Donnerstagabend zählt. Einige wenige Umfragen sehen weiterhin einen Vorsprung der Konservativen von 10 Prozentpunkten oder mehr voraus - immerhin haben sie mit ihrem Brexit-Kurs praktisch die gesamte Wählerschaft der Anti-EU-Partei UKIP absorbiert.

Und selbst wenn andere Institute Recht behalten und Labour ähnlich viele Stimmen einsammelt wie die Tories, könnten diese vom britischen Mehrheitswahlrecht profitieren. Die Labour-Wähler konzentrieren sich in urbanen Wahlkreisen, mit Blick auf die Sitzverteilung im Parlament bedeuten die dort satten Mehrheiten verschenkte Stimmen.

Plausibel erscheint das Szenario wegen des historisch bekannten "Shy-Tory"-Effekts. Traditionell melden sich in Umfragen weniger konservative Wähler, als dann tatsächlich zur Wahl gehen. Vor allem ältere Wähler neigen zu hoher Wahlbeteiligung und zu den Konservativen, "Demenzsteuer" hin oder her. Allerdings rechnen die Institute diesen Effekt bereits ein und korrigieren die Umfragen für May um ein paar Punkte nach oben.

Am Finanzmarkt gilt eine Wiederwahl Mays mit folgendem Hard Brexit als "eingepreist". So unangehm die Brexit-Folgen erscheinen, die Alternativen könnten noch unangenehmer werden.

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