Montag, 18. November 2019

Familien Arnault und Pinault spenden 300 Millionen Euro Brand in Notre-Dame gelöscht ++ Macron stoppt Europa-Wahlkampf

Notre-Dame in Paris: Das Feuer ist gelöscht
Yves Herman/ REUTERS
Notre-Dame in Paris: Das Feuer ist gelöscht

Viele Stunden schlugen Flammen aus dem Dachstuhl der Kathedrale Notre-Dame in Paris. Am Dienstag Morgen ist das Feuer nun endlich gelöscht. Für den Wiederaufbau sind bereits mehr als 300 Millionen Euro Spenden eingelaufen. Der aktuelle Überblick.

Der Großbrand in der weltberühmten Pariser Kathedrale Notre-Dame ist nach Angaben der Feuerwehr komplett gelöscht. Alle Flammen seien gelöscht, nun müssten Experten das Ausmaß der Schäden prüfen, sagte ein Feuerwehrsprecher am Dienstagmorgen. Der Brand war am Montagabend auf dem Dach ausgebrochen und hatte sich rasend schnell auf einer Fläche von rund 1000 Quadratmetern ausgebreitet.

Inzwischen ist eine große Spendenaktion für den Wiederaufbau der Kirche angelaufen, rund 310 Millionen Euro stehen bereits bereit. Die Region Ile-de-France, die größtenteils dem Großraum Paris entspricht, kündigte am Dienstag eine Soforthilfe von zehn Millionen Euro an. Die Präsidentin des Regionalrats von Ile-de-France, Valérie Pécresse, sagte dem Sender Radio Classique, die Soforthilfe solle das das Erzbistum bei den ersten Arbeiten unterstützen. Der Wiederaufbau werde die besten Architekten und Handwerker "Frankreichs, vielleicht der ganzen Welt" auf den Plan rufen, sagte Pécresse.

Familie Pinault spendet 100 Millionen Euro, Arnault 200 Millionen Euro

Die Pariser Bürgermeisterin Hidalgo brachte eine internationale Geberkonferenz für den Wiederaufbau ins Gespräch. Sie könne gleichzeitig als Treffpunkt von Experten dienen, sagte sie dem Radionetzwerk France Inter.

Neben offiziellen Geldern stehen auch bereits zwei große Privatspenden zur Verfügung: Der größte und der zweitgrößte Luxusgüterkonzern Frankreichs, LVMH und Kering, verpflichteten sich zu Millionenspenden im dreistelligen Bereich.

Die Milliardärsfamilie Pinault will demnach 100 Millionen Euro für den Wiederaufbau der von Flammen verwüsteten Kathedrale zur Verfügung stellen. Das gab in der Nacht zum Dienstag François-Henri Pinault bekannt, der Chef des Luxusmodekonzerns Kering (Gucci, Saint Laurent, Balenciaga). "Diese Tragödie trifft alle Franzosen", erklärte die Familie. In solch einer Situation wolle jeder mithelfen, "schnellstmöglich diesem Juwel unseres nationalen Kulturerbes wieder Leben einzuhauchen".

Am Dienstagmorgen zog dann LVMH (Moët Hennessy - Louis Vuitton) nach: Die Unternehmensgruppe versprach eine Spende von 200 Millionen Euro für den Wiederaufbaufonds. In einer Erklärung hieß es, LVMH und die Besitzerfamilie Arnault wollten nach "dieser nationalen Tragödie" ihre Solidarität zeigen. Notre-Dame sei ein Symbol Frankreichs, seines kulturellen Erbes und seiner Einigkeit.

Auch die Uno-Kulturorganisation Unesco stellte Unterstützung in Aussicht. "Es werden jahrelange Bauarbeiten nötig sein", erklärte der Präsident der französischen Bischofskonferenz, Eric de Moulins-Beaufort.

Macron stoppt Europa-Wahlkampf

Élyseechef Emmanuel Macron stoppt den Europa-Wahlkampf wegen des Großfeuers in der Kathedrale Notre-Dame. Das teilte die Politikerin Nathalie Loiseau mit, die die Kampagne namens "Renaissance" der regierenden En-Marche-Bewegung (LREM) für die Europawahlen organisiert. "Wir erleben alle einen Moment extremer Traurigkeit", schrieb Loiseau auf Twitter. Die "Renaissance"-Liste mit den Kandidaten für die Europawahl sei "verständlicherweise Teil dieses Moments der nationalen Einheit". Die Kampagne werde deshalb bis auf weiteres ausgesetzt. "Wir werden Notre-Dame wieder aufbauen", hatte Macron am späten Montagabend angekündigt. "Denn das ist es, was die Franzosen erwarten."

Im Video: Die Notre-Dame nach dem großen Brand

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Bild: REUTERS / TF1 / Agency Pool

Das Feuer war am Montagabend ausgebrochen und richtete schwere Verwüstungen an. Die Flammen brachten den Spitzturm zum Einsturz und zerstörten weite Teile des Dachstuhls. Das Feuer in dem berühmten Monument sorgte weit über die Grenzen Frankreichs hinaus für Bestürzung. Präsident Emmanuel Macron versprach bereits einen Wiederaufbau der Kathedrale und kündigte eine nationale Spendenaktion an.

Das Ausmaß der Zerstörung ist gewaltig: Ein Feuerwehrsprecher bezeichnete die Schäden als "dramatisch". Neben den massiven Zerstörungen am Dach gab es auch im Inneren der Kathedrale Schäden. Hunderte Jahre alte Kirchenfenster gingen zu Bruch. Wertvolle Reliquien konnten dagegen gerettet werden. Auch die Struktur der gotischen Kathedrale und die Fassade mit den beiden Haupttürmen konnten gerettet werden.

Unterdessen läuft die Rettung der Kunstwerke im Inneren der Kathedrale weiter. So wurde eine der wichtigsten Reliquien der katholischen Kirche gerettet. Es handele sich dabei um die Dornenkrone, die Jesus Christus bei seiner Kreuzigung getragen haben soll, sagte Patrick Chauvet, Direktor der Kathedrale. Die Flammen hätten den Kirchenschatz nicht erreicht.

Die Sicherstellung der Kunstwerke geschehe laut Feuerwehrkommandant Gallet unter erschwerten Bedingungen. Gegenstände würden herunterfallen, die Feuerwehr arbeite im dichten Rauch.

Der Vatikan reagierte bestürzt auf den Brand. "Der Heilige Stuhl hat die Nachricht des entsetzlichen Brandes, der die Kathedrale von Notre-Dame, Symbol der Christenheit in Frankreich und der Welt, verwüstet hat, mit Schock und Trauer aufgenommen", sagte Papst-Sprecher Alessandro Gisotti.

Bauarbeiten wohl Ursache für den Brand

Laut der Feuerwehr brach der Brand am Montagabend gegen 18.50 Uhr auf dem Dachboden der Kathedrale aus und breitete sich rasend schnell aus. Über Stunden schlugen Flammen in den Himmel. Der kleine Spitzturm in der Mitte des Dachs brach zusammen. Die Fassade der Kirche wurde zur Zeit aufwendig gereinigt. Der Brand könnte nach Einschätzung der Feuerwehr mit den Arbeiten zusammenhängen. Das Feuer schien von den Baugerüsten auszugehen, die auf dem Dach installiert waren.

Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt zu dem Brand. Es gehe dabei um eine "unbewusste Zerstörung" durch Feuer, sagte ein Sprecher. Von möglicher Brandstiftung war keine Rede. Die Ermittler begannen in der Nacht, die Arbeiter der Baustelle zu befragen.

Notre-Dame ist eine der Pariser Top-Touristenattraktionen und wird jährlich von fast 13 Millionen von Menschen besucht. Die Kathedrale steht im Herzen der Stadt auf der Île de la Cité, einer Insel in der Seine. Die Geschichte der Kirche reicht bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück. Fast 200 Jahre vergingen bis zur Fertigstellung.

mit Nachrichtenagenturen

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