Raus mit dem Geld Warum Griechen jetzt eilig Steuern im Voraus zahlen

Drachmen sind wieder präsent: Schaufenster eines Schmuckhändlers in Athen

Drachmen sind wieder präsent: Schaufenster eines Schmuckhändlers in Athen

Foto: AP/dpa

Der Bericht passt so gar nicht zur Notlage in Griechenland. Verzweifelte Familien, Obdachlose in Suppenküchen, weinende Rentner?

Eine Reporterin der "New York Times" hat in Athen ganz andere Bilder gefunden (€)  - die aber ebenso zur griechischen Krise gehören.

Da ist das überfüllte Hausgerätegeschäft in einem wohlhabenden Stadtviertel. Auch ohne Rabatt finden Herde, Kühlschränke und Spülmaschinen reißenden Absatz. "Wir haben so viel verkauft, sogar Vorführmodelle. Leute haben an meinen Ärmeln gezogen. Jetzt ziehen wir die Ware auseinander, damit die Regale nicht leer wirken", erzählt Verkäuferin Despina Drisi.

Da ist ein Juwelier im Zentrum, der am Mittwoch einen Kunden abwies, der für eine Million Euro Schmuck kaufen wollte. "Ich kann nicht glauben, dass ich auf dieses Angebot verzichtete", sagt Betriebschef Georgios Papalexis. Aber so viel Geld zu bekommen, sei jetzt einfach zu riskant.

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Griechenland: Gesichter der Krise

Da sind zwei junge Brüder, die noch einmal richtig shoppen gehen. Der eine, mit nur 1000 Euro auf dem Konto, leistet sich ein iPhone. Der andere, mit 10.000 Euro Guthaben, gibt 2000 davon für neue Kleidung aus.

Da ist ein Zulieferer eines Energiekonzerns, der sagt: "Ich denke sogar darüber nach, ein Auto zu kaufen, obwohl ich keines brauche, um mein Barguthaben zu reduzieren."

Alle Steuern auf einmal zahlen - nur weg mit dem Geld

Da ist derselbe Mann, dem zufolge seine Firma gerade alle Steuerschulden für das laufende Jahr auf einmal beglichen hat - und da ist der Steuerberater Antonis Mouzakis, der bestätigt, das sei jetzt gang und gäbe. "Ich habe eine große Zahl von Kunden, die ihre Steuern hier und jetzt erklären wollen, sofort berechnet und bezahlt, selbst wenn es 40.000 oder 50.000 Euro sind."

Was die Geschichten zusammenhält, ist die Panik: Bloß weg mit dem Geld! Obwohl Bares gerade schwierig zu bekommen ist, wollen viele auch nicht ihre Girokonten zu weit im Plus halten.

Niemand weiß, was nach dem Wochenende wird - ob der Euro noch als Zahlungsmittel gilt, ob der Staat einen Schuldenschnitt macht, vor allem, ob als Beitrag zur Rettung der Banken auch die Sparguthaben angegriffen werden. So, wie es im Nachbarland Zypern vor zwei Jahren auf Druck der europäischen Gläubiger geschah. Wer dann noch große Summen Geld auf der Bank hat, ist angeschmiert.

Die Logik hinter den Steuervorauszahlungen: Bürger und Unternehmen können so wenigstens eine große finanzielle Verpflichtung loswerden. Die Forderungen des Staats, so die Erwartung, würden in einem Grexit oder Schuldenschnitt nicht auf Drachmen-Niveau abgewertet, die Guthaben der Steuerschuldner aber durchaus.


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