Nach Kritik am Ukraine-Krieg Russischer Oligarch muss Firmenanteile zum Spottpreis verkaufen

Der russische Milliardär Oleg Tinkow kritisierte deutlich den Angriffskrieg in der Ukraine – jetzt bekommt er Moskaus Macht zu spüren. Der Oligarch wurde offenbar gezwungen, seine Anteile an der von ihm gegründeten Tinkoff Bank an Putin-Freund Wladimir Potanin zu verkaufen. Tinkow sieht zudem sein Leben in Gefahr.
Leukämie überlebt und vom Kreml bedroht: Oligarch Oleg Tinkow hat Putin kritisiert

Leukämie überlebt und vom Kreml bedroht: Oligarch Oleg Tinkow hat Putin kritisiert

Foto:

Artur Lebedev / imago/ITAR-TASS

Der russische Milliardär Oleg Tinkow (54) dürfte kaum erwartet haben, dass seine heftige Kritik an Russlands Präsident Wladimir Putin (69) und dessen Krieg in der Ukraine ohne Folgen bleibt. Und prompt: Wie Tinkow der "Financial Times"  sagte, wurde er vom Kreml inzwischen dazu gedrängt, seine Anteile an der von ihm gegründeten Internetbank Tinkoff zu verkaufen. Er habe seinen 35-Prozent-Anteile an der TCS Group, die die Tinkoff-Bank besitzt, an den russischen Oligarchen und Minenmogul Wladimir Potanin (61) veräußert, so Tinkow gegenüber der Zeitung. Potanin war früher stellvertretender Ministerpräsident Russlands und gilt als Getreuer Putins.

Mit dem Verkauf kam Tinkow eigenen Angaben zufolge einer Verstaatlichung der Online-Bank zuvor, die ihm von russischen Offiziellen angedroht worden sei. Seinen Angaben zufolge handelte es sich um einen Notverkauf bei dem er lediglich 3 Prozent des eigentlichen Wertes für seine Anteile erhalten habe.

Ähnlich äußerte sich der Oligarch im Gespräch mit der "New York Times" . "Ich konnte nicht über den Preis diskutieren. Es war wie eine Geiselnahme – du nimmst, was dir angeboten wird", beschrieb er den Verkauf. Das Interview sorgte in russischen Medien für Schlagzeilen.

Damit nicht genug: Tinkow fürchtet offenbar angesichts des Drucks aus Moskau um seine Sicherheit und sein Leben. Er befinde sich an einem unbekannten Ort und habe Bodyguards engagiert, berichtet die "FT". Demnach sagte Tinkow gegenüber der Zeitung, er habe Leukämie überlebt, aber nun wolle ihn der Kreml womöglich töten. Die Sorge kommt nicht von ungefähr: Immer wieder sorgten in der Vergangenheit Fälle für Aufsehen, in denen Kritiker Russlands mutmaßlich persönlich attackiert wurden, auch jenseits der Landesgrenzen. Aktuell werfen die Tode der beiden russischen Oligarchen Wladislaw Awajew, ehemaliger Vizepräsident der Gazprombank, und Sergej Protosenja, ehemaliger Vizepräsident und Hauptbuchhalter von Novatek, einem Gasunternehmen mit Verbindungen zur Gazprombank, Fragen auf. Beide waren vor einigen Tagen gemeinsam mit Familienmitgliedern tot aufgefunden worden, der eine in seiner Wohnung in Moskau, der andere in Lloret de Mar, Spanien.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Instagram, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Tinkoff-Bank will sich umbenennen

Tinkow hatte vor einigen Tagen für Schlagzeilen gesorgt, als er sich auf Instagram mit deutlichen Worten kritisch gegenüber Putin und dem Ukraine-Krieg geäußert hatte. So warf er der russischen Armee vor, "Massaker" in der Ukraine zu verüben und forderte ein Ende des "irrsinnigen Krieges" gegen das Nachbarland. "90 Prozent der Russen sind gegen diesen Krieg", schrieb der im Ausland lebende Gründer der Tinkoff-Bank. Nur eine Minderheit unterstütze den Krieg. "Aber 10 Prozent jedes Landes sind Idioten."

Tinkow gehört zu jenen russischen Oligarchen, die wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine mit westlichen Sanktionen belegt wurden. In seinem Instagram-Post  ging er hart mit der russischen Armee und dem Führungszirkel um Kremlchef Wladimir Putin ins Gericht.

Die russischen Generäle hätten inzwischen erkannt, "dass sie eine Scheißarmee haben", schrieb Tinkow. "Und wie sollte die Armee auch gut sein, wenn der ganze Rest des Landes beschissen ist und beschmutzt ist von Vetternwirtschaft, Speichelleckerei und Unterwürfigkeit?" Er selbst sehe "keinen einzigen Profiteur dieses irrsinnigen Krieges", der nur dazu führe, dass "unschuldige Menschen und Soldaten sterben".

Die Tinkoff-Bank erklärte zu der wortreichen Kritik ihres Großaktionärs, sie werde die "private Meinung" Tinkows nicht kommentieren. Der Unternehmensgründer sei kein Mitarbeiter der Bank mehr und schon lange nicht mehr in Russland gewesen. Überdies habe er "in den vergangenen Jahren mit gesundheitlichen Problemen" zu tun gehabt. Kurz darauf kündigte die Tinkoff-Bank an, sich umbenennen zu wollen.

cr