"Irrsinniger Krieg" Russischer Oligarch beschimpft Putin und Russland

Dem russischen Milliardär Oleg Tinkow platzt wegen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine der Kragen. In einem Instagram-Post kritisiert der im Ausland lebende Gründer der Internetbank Tinkoff die russische Armee und Führung aufs Schärfste.
Oleg Tinkow: "90 Prozent der Russen sind gegen diesen Krieg", schrieb der im Ausland lebende Gründer der Tinkoff Bank auf Instagram.

Oleg Tinkow: "90 Prozent der Russen sind gegen diesen Krieg", schrieb der im Ausland lebende Gründer der Tinkoff Bank auf Instagram.

Foto: Sergei Bobylev / imago/ITAR-TASS

Der russische Milliardär Oleg Tinkow (54) hat der russischen Armee vorgeworfen, "Massaker" in der Ukraine zu verüben. In einer Instagram-Botschaft forderte Tinkow ein Ende des "irrsinnigen Krieges" gegen das Nachbarland. "90 Prozent der Russen sind gegen diesen Krieg", schrieb der im Ausland lebende Gründer der Tinkoff Bank. Nur eine Minderheit unterstütze den Krieg. "Aber zehn Prozent jedes Landes sind Idioten."

Tinkow gehört zu jenen russischen Oligarchen, die wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine mit westlichen Sanktionen belegt wurden. In seinem Instagram-Post  ging er nun hart mit der russischen Armee und dem Führungszirkel um Kremlchef Wladimir Putin ins Gericht.

Die russischen Generäle hätten inzwischen erkannt, "dass sie eine Scheißarmee haben", schrieb Tinkow. "Und wie sollte die Armee auch gut sein, wenn der ganze Rest des Landes beschissen ist und beschmutzt ist von Vetternwirtschaft, Speichelleckerei und Unterwürfigkeit?" Er selbst sehe "keinen einzigen Profiteur dieses irrsinnigen Krieges", der nur dazu führe, dass "unschuldige Menschen und Soldaten sterben".

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Auf Englisch richtete sich Tinkow an den Westen: "Bitte zeigen Sie Herrn Putin einen klaren Ausweg, mit dem er sein Gesicht wahren kann und durch den dieses Massaker gestoppt wird. Bitte seien Sie rationaler und menschenfreundlicher."

Laut Tinkow herrscht in der russischen Elite Unmut über die Auswirkungen der westlichen Sanktionen gegen Moskau. Kremlbeamte seien "schockiert" angesichts der Tatsache, dass sie und ihre Kinder nicht mehr ihren Sommerurlaub am Mittelmeer verbringen könnten. "Unternehmer versuchen, das zu retten, was von ihrem Eigentum noch übrig ist", schrieb Tinkow.

Der Eintrag Tinkows wurde bis Mittwochmorgen schon von fast 100.000 Nutzern mit "gefällt" markiert. Zudem wurde der Beitrag innerhalb kürzester Zeit fast 20.000 Mal kommentiert.

Tinkow war einer der ersten unter Russlands Superreichen, die den Krieg gegen die Ukraine kritisierten. Schon im Februar nannte er den russischen Angriff "unfassbar und sträflich". Die russische Führung sollte ihr Geld lieber in die Bekämpfung von Krankheiten investieren, forderte er. Trotzdem fiel Tinkow als russischer Milliardär ebenfalls unter die Sanktionen, die Großbritannien gegen die russische Finanzelite verhängte.

Tinkow hat sein erstes Kapital mit dem Import von Elektronikwaren gemacht, ehe er dann eine Brauerei unter seinem Namen gründete. Zum Milliardär wurde er schließlich durch die Gründung der Internetbank Tinkoff.

So reagiert die Tinkoff-Bank

Die Tinkoff-Bank erklärte zu der wortreichen Kritik ihres Großaktionärs, sie werde die "private Meinung" Tinkows nicht kommentieren. Der Unternehmensgründer sei kein Mitarbeiter der Bank mehr und schon lange nicht mehr in Russland gewesen. Überdies habe er "in den vergangenen Jahren mit gesundheitlichen Problemen" zu tun gehabt.

Die russischen Behörden gehen massiv gegen Kritiker der Ukraine-Invasion vor. Auf Äußerungen, die von der Regierung als "Falschnachrichten" über die Armee eingestuft werden, stehen bis zu 15 Jahre Haft.

dri/AFP, Reuters