Offshore-Windkraft Wie die Nordsee zum Kraftwerk für die Energiewende wird

Saubere Energiequellen sind gefragt: Die Anrainer-Staaten der Nordsee planen deshalb ein eng verbundenes Offshore-Netzwerk, in dem sich die bisherige Windenergieleistung bis zum Jahr 2030 vervierfachen soll.
Offshore-Anlage vor der französischen Küste

Offshore-Anlage vor der französischen Küste

Foto: STEPHANE MAHE / REUTERS

Bis zum Jahr 2050 will die EU klimaneutral werden. Ein wichtiger Baustein dafür ist die Stromerzeugung durch Windkraft. Vor allem im Offshore-Bereich, also auf offener See, gibt es dafür viel Potenzial. Die Anrainer-Länder der Nordsee haben sich deshalb zu einer "North Sea Energy Cooperation" (NSEC) zusammengeschlossen und ehrgeizige Ziele für die kommenden Jahre formuliert.

In einer gemeinsamen Erklärung der Energieministerien der neun beteiligten Staaten (Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Irland, Luxemburg, Niederlande, Norwegen und Schweden) wurden kürzlich in Dublin konkrete Ausbauziele genannt: Bis 2030 soll die Nordseeregion 76 Gigawatt (GW) Strom pro Jahr liefern, bis 2040 sind 193 GW geplant und bis 2050 sogar 260 GW. Damit würden dann rund 85 Prozent des EU-weit erforderlichen Offshore-Anteils von Windkraftanlagen für die angestrebte Klimaneutralität aus der Nordsee kommen.

"Die Nordsee ist unser Zukunftsmotor für sauberen und verlässlichen Grünstrom aus Offshore-Windenergie. Die riesigen Potenziale können wir aber nur gemeinsam mit unseren Partnern heben", sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz Stefan Wenzel (60; Grüne) dazu in Dublin. Das jüngste NSEC-Treffen fand in der irischen Hauptstadt statt, da das Land in diesem Jahr die Präsidentschaft der bereits 2016 gegründeten Kooperation innehat.

Geplant ist ein eng verbundenes Offshore-Netz zwischen den Ländern, bei dem die Genehmigungsverfahren sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene beschleunigt werden sollen. Was früher fünf oder sechs Jahre gedauert hat, soll laut dem "Repower EU"-Plan nun innerhalb eines Jahres umgesetzt werden. Auch die Netzinfrastruktur auf See soll flexibler und effizienter werden, dabei setzt die NSEC vor allem auf eine verbesserte Digitalisierung und enge Kooperationen.

Besondere Zusammenarbeit in fünf Nordseehäfen

Fünf europäische Nordseehäfen werden bei diesen Plänen eine Schlüsselrolle spielen: Der dänische Port of Esbjerg, der belgische Port Oostende, der Groningen Seaports/Eemshaven in den Niederlanden und der Nantes-Saint Nazaire Port in Frankreich gehören ebenso dazu wie Cuxhaven in Niedersachsen. Denn auch der deutsche Anteil am Ausbau der Offshore-Windenergie soll wachsen – und schon 2030 bei 30 GW liegen. Im Jahr 2050 soll die Leistung dann auf 70 GW gesteigert sein. Derzeit speisen die Windkraftanlagen auf der Nordsee knapp 8 GW in das deutsche Stromnetz ein.

Die Kooperation der Anrainer-Staaten und ihrer für die Windkraft wichtigsten Häfen sieht vor, sowohl die Geschwindigkeit beim Bau der Anlagen als auch die Größenordnung deutlich ausbauen. Einzelanlagen, die wie bislang nebeneinander herlaufen, sollen laut der im Mai 2022 verfassten sogenannten Esbjerg-Erklärung  der Vergangenheit angehören. Stromleitungen sollen nicht nur an Land, sondern bereits offshore miteinander vernetzt werden. Vertreter aus den fünf Häfen werden sich darüber hinaus künftig regelmäßig treffen, um ihre Erfahrungen und neues Wissen auszutauschen sowie gegenseitige Unterstützung, unter anderem im Fall von möglichen Engpässen beim Ausbau der Windkraftanlagen, zu leisten.

Hohe IT-Anforderungen für kritische Infrastruktur

Auch Themen wie Cybersicherheit stehen dabei nach den Sabotageakten infolge des Ukraine-Kriegs vermehrt im Blickpunkt. Hier wird beispielsweise Siemens Energy sein in konventionellen Kraftwerken bereits etabliertes Leittechniksystem nun erstmals auch an einen Offshore-Windpark liefern. Dieser EnBW-Windpark mit dem Namen "He Dreiht", der Ende 2025 in Betrieb gehen soll, entsteht an der deutschen Nordseeküste vor der Insel Borkum.

Neben der Leittechnik für die Schaltanlagen liefert das Unternehmen hier auch das zentrale IT-Netz inklusive Cybersicherheitslösungen – diese sollen dafür sorgen, dass die Anlage die gesetzlichen Anforderungen für die kritische Infrastruktur erfüllt. "Offshore-Windparks sind ein wesentlicher Baustein im klimaneutralen Energiemix der Zukunft", sagt Tim Holt (53), Mitglied des Vorstands von Siemens Energy, "mit der zunehmenden Kapazität der Parks wachsen auch die Anforderung an deren Überwachung, Steuerung und Absicherung".

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