Kontrollen angekündigt Österreich verhängt landesweiten Lockdown für Ungeimpfte

Es wird ungemütlich für Ungeimpfte in Österreich: Landsleute, die weder eine Impfung noch eine Genesung vorweisen können, dürfen ihr Zuhause nur noch aus dringenden Gründen verlassen. Die Ausgangsbeschränkungen gelten für etwa zwei Millionen Menschen.
Riesenrad auf dem Wiener Prater - für Ungeimpfte erst mal nicht mehr zugänglich

Riesenrad auf dem Wiener Prater - für Ungeimpfte erst mal nicht mehr zugänglich

Foto: © Herbert Neubauer / Reuters/ REUTERS

Im Kampf gegen die vierte Welle der Corona-Pandemie gilt in Österreich von diesem Montag an ein Lockdown für Ungeimpfte. Das haben Bundeskanzler Alexander Schallenberg (52) und die Regierungschefs der Länder am Sonntag in Wien beschlossen. Die weitreichenden Ausgangsbeschränkungen sind zunächst auf zehn Tage befristet. Betroffen sind etwa zwei Millionen Menschen - was knapp einem Viertel der Bevölkerung entspricht.

Wer keine Impfung hat, darf das Haus oder Wohnung künftig nur noch aus dringenden Gründen verlassen - etwa für Einkäufe des täglichen Bedarfs, für den Weg zur Arbeit oder den Besuch beim Arzt. Ziel sei, die Impfbereitschaft zu erhöhen und die sozialen Kontakte um etwa 30 Prozent zu verringern, sagte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (47). Die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner ist in Österreich inzwischen auf rund 815 gestiegen.

Regierung kündigt konsequente Kontrollen und Strafen an

"Wir setzen den Schritt nicht leichten Herzens", sagte Schallenberg. Die Zahlen sprächen aber eine eindeutige Sprache. Unter den Ungeimpften betrage die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner mehr als 1700. Es gelte nun mit aller Kraft, die "beschämend niedrige" Impfquote endlich zu erhöhen. "Mit dieser Impfquote werden wir im Teufelskreis steckenbleiben."

Die Maßnahme werde sehr konsequent kontrolliert, bei Verstößen drohen bis zu 1450 Euro Strafe. Die Polizei will eigens Streifen abstellen, um die Einhaltung der Vorschriften zu überwachen. Für Schüler gilt der Lockdown nicht. "In den Schulen geht es so weiter wie bisher", sagte Schallenberg mit Blick darauf, dass mehrere Tests pro Woche dort schon üblich sind.

Schon jetzt sind die Einschränkungen für Ungeimpfte groß - etwa durch die 3G-Regel am Arbeitsplatz und die 2G-Regel im öffentlichen Leben. Bereits seit Anfang November gelten Verschärfungen, die auch Wirkung zeigen. Die Zahl der Impfungen stieg sprunghaft an und liegt nun wieder auf dem Niveau von Juli. Die Impfquote beträgt rund 65 Prozent - etwas weniger als in Deutschland mit aktuell 67,4 Prozent.

Deutschland hat Österreich wieder zum Corona-Hochrisikogebiet erklärt. Damit müssen Reisende und Pendler seit Sonntag verschärfte Regeln beachten. Wer nicht geimpft oder genesen ist, muss bei der Rückkehr nach Deutschland mindestens fünf Tage in Quarantäne. Hotelbetreiber fürchten Einbußen im Wintertourismus, der für die Alpenrepublik volkswirtschaftlich eine hohe Bedeutung hat. Bereits im vergangenen Jahr fiel die Skisaison aufgrund des Lockdowns so gut wie aus.

Erst vor wenigen Wochen hatte die Regierung einen fünfstufigen Fahrplan erstellt, der sich an der Auslastung der Intensivstationen orientiert. Demnach wäre ein Lockdown für Ungeimpfte erst bei einer Belegung von über 600 Intensivbetten, was 30 Prozent der Gesamtkapazität entspricht, vorgesehen gewesen. Angesichts der rasant gestiegenen Neuinfektionszahlen wurden der Schritt nun vorgezogen.

rei/DPA/Reuters
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