Druschba-Pipeline Öl-Lieferungen aus Russland nach Mitteleuropa gestoppt

Ungarn, Tschechien und die Slowakei erhalten kein Öl mehr aus Russland. Der russische Betreiber kann offenbar wegen der Sanktionen die Transitgebühren nicht leisten.
"Freundschaft - Druschba": Die Lieferungen durch den südlichen Teil der Öl-Pipeline sind gestoppt

"Freundschaft - Druschba": Die Lieferungen durch den südlichen Teil der Öl-Pipeline sind gestoppt

Foto: Patrick Pleul / dpa

Die Energiesicherheit Europas hat einen weiteren Rückschlag erlitten: Die russischen Rohöllieferungen über die Ukraine nach Ungarn, Tschechien und in die Slowakei wurden gestoppt - und zwar seit dem 4. August, weil der russische Pipeline-Betreiber Transneft PJSC aufgrund der Sanktionen die Transitgebühren nicht zahlen konnte, berichtet der Finanznachrichtendienst Bloomberg  am Dienstag unter Berufung auf Transneft.

Russland macht die internationalen Sanktionen bereits für die gedrosselten Erdgaslieferungen nach Europa durch die Nord Stream-Pipeline verantwortlich.

Der nördliche Abschnitt der Druschba-Pipeline, die durch Weißrussland nach Polen und Deutschland führt, sei nicht betroffen, der südliche Teil der Verbindung aber seit 4. August abgeschaltet. Die Märkte reagierten am Dienstag prompt: Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent kletterte auf 98 Dollar pro Barrel (Brent) - ein Plus von rund 1,5 Prozent.

Dem Bericht zufolge habe Ukrtransnafta, der Betreiber des Pipeline-Netzes in der Ukraine, die Lieferungen am 4. August eingestellt. Laut den Verträgen zwischen Transneft und Ukrtransnafta müssen die Transitgebühren für die Ölmengen vorab bezahlt werden. Zwar habe Transneft die Vorauszahlung an Ukrtransnafta am 22. Juli geleistet, doch sei das Geld am 28. Juli zurückgeflossen, weil die Zahlung wegen der Sanktionen nicht durchgegangen sei, berichtet Bloomberg  unter Berufung auf Transneft.

Nach Angaben der Gazprombank, die die Zahlung abgewickelt habe, sei das Geld wegen EU-Beschränkungen zurückgegeben worden. Die an der Transaktion beteiligten europäischen Banken seien aufgrund der Sanktionen nicht befugt, eigene Entscheidungen über grenzüberschreitende Zahlungen aus Russland zu treffen – sie benötigten die Genehmigung ihrer nationalen Regulierungsbehörden.

Ungarn ist besonders betroffen

Russland liefert normalerweise etwa 250.000 Barrel pro Tag über den südlichen Zweig der Druschba-Pipeline nach Ungarn, in die Slowakei und in die Tschechische Republik. Ungarns Versorgung mit Öl gilt nun als besonders gefährdet. Der in Budapest ansässige Raffineriebetreiber Mol erklärte dem Bericht zufolge, er wolle die Transitgebühr an die Ukraine gegebenenfalls selbst zahlen, um den Rohöltransport über die Pipeline möglichst schnell wieder in Gang zu bringen.

Im günstigsten Fall werde der Finanzstreit innerhalb weniger Tage beigelegt, sagt Tamas Pletser, Analyst der Erste Bank. Sollte der Stillstand länger andauern, verfüge der Raffineriebetreiber Mol über Treibstoffreserven für ein paar Wochen. Doch danach müsse das Land auf seine strategischen Ölreserven zurückgreifen.

Für Ungarns Präsident Viktor Orban (59) kommt die Lieferunterbrechung zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Schließlich haben einige Ölgesellschaften wegen der von ihm verhängten Preisobergrenze für Kraftstoffe ihre Importe bereits gedrosselt oder ganz gestoppt, um Verluste zu vermeiden.

rei
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