Sonntag, 21. April 2019

Pariser Kathedrale Brand in Notre-Dame "vollkommen unter Kontrolle"

Notre-Dame am frühen Dienstagmorgen
Zakaria ABDELKAFI/AFP
Notre-Dame am frühen Dienstagmorgen

Viele Stunden schlugen Flammen aus dem Dachstuhl der Kathedrale Notre-Dame in Paris. Lange war unklar, ob das Bauwerk zu retten ist. Präsident Macron hat den Wiederaufbau versprochen. Der aktuelle Überblick.

Das Ausmaß der Zerstörung ist gewaltig: Nach dem verheerenden Brand in der weltberühmten Pariser Kathedrale Notre-Dame bezeichnet ein Feuerwehrsprecher die Schäden als "dramatisch". Die Flammen zerstörten demnach weite Teile des Daches und brachten einen Kirchturm zum Einsturz.

Die Struktur der gotischen Kathedrale und die Fasse mit den beiden Haupttürmen konnte aber gerettet werden. Präsident Emmanuel Macron versprach einen Wiederaufbau des Gotteshauses im Herzen der französischen Hauptstadt.

400 Feuerwehrleute kämpften stundenlang gegen die Flammen an. In der Nacht sagte Feuerwehrsprecher Gabriel Plus, das Feuer sei "vollkommen unter Kontrolle" und "teilweise gelöscht". Es gebe aber noch einige Glutnester, die gelöscht werden müssten. Bei dem Großeinsatz wurde ein Feuerwehrmann schwer verletzt.

Zwischenzeitlich hatte die Feuerwehr befürchtet, die gesamte Kirche könnte einstürzen, wie Plus sagte. Neben den massiven Zerstörungen am Dach gab es auch im Inneren der Kathedrale Schäden. Hunderte Jahre alte Kirchenfenster gingen zu Bruch. Wertvolle Reliquien konnten dagegen gerettet werden.

"Das Schlimmste konnte verhindert werden", sagte Staatschef Emmanuel Macron, denn die Fassade und die beiden Haupttürme seien nicht zusammengestürzt. Er versprach einen Wiederaufbau der Kathedrale und kündigte eine nationale Spendenaktion an. Die französische Milliardärsfamilie Pinault, die an der Spitze des Luxusmodekonzerns Kering (Gucci, Saint Laurent, Balenciaga) steht, kündigte an, 100 Millionen Euro bereitzustellen.

Auch die Uno-Kulturorganisation Unesco stellte Unterstützung in Aussicht. "Es werden jahrelange Bauarbeiten nötig sein", erklärte der Präsident der französischen Bischofskonferenz, Eric de Moulins-Beaufort.

Unterdessen läuft die Rettung der Kunstwerke im Inneren der Kathedrale weiter. So wurde eine der wichtigsten Reliquien der katholischen Kirche gerettet. Es handele sich dabei um die Dornenkrone, die Jesus Christus bei seiner Kreuzigung getragen haben soll, sagte Patrick Chauvet, Direktor der Kathedrale. Die Flammen hätten den Kirchenschatz nicht erreicht.

Die Sicherstellung der Kunstwerke geschehe laut Feuerwehrkommandant Gallet unter erschwerten Bedingungen. Gegenstände würden herunterfallen, die Feuerwehr arbeite im dichten Rauch.

Der Vatikan reagierte bestürzt auf den Brand. "Der Heilige Stuhl hat die Nachricht des entsetzlichen Brandes, der die Kathedrale von Notre-Dame, Symbol der Christenheit in Frankreich und der Welt, verwüstet hat, mit Schock und Trauer aufgenommen", sagte Papst-Sprecher Alessandro Gisotti.

Laut der Feuerwehr brach der Brand am Montagabend gegen 18.50 Uhr auf dem Dachboden der Kathedrale aus und breitete sich rasend schnell aus. Über Stunden schlugen Flammen in den Himmel. Der kleine Spitzturm in der Mitte des Dachs brach zusammen. Die Fassade der Kirche wurde zur Zeit aufwendig gereinigt. Der Brand könnte nach Einschätzung der Feuerwehr mit den Arbeiten zusammenhängen. Das Feuer schien von den Baugerüsten auszugehen, die auf dem Dach installiert waren.

Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt zu dem Brand. Es gehe dabei um eine "unbewusste Zerstörung" durch Feuer, sagte ein Sprecher. Von möglicher Brandstiftung war keine Rede. Die Ermittler begannen in der Nacht, die Arbeiter der Baustelle zu befragen.

Notre-Dame ist eine der Pariser Top-Touristenattraktionen und wird jährlich von fast 13 Millionen von Menschen besucht. Die Kathedrale steht im Herzen der Stadt auf der Île de la Cité, einer Insel in der Seine. Die Geschichte der Kirche reicht bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück. Fast 200 Jahre vergingen bis zur Fertigstellung.

 dpa/AFP/reuters

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung