Sabadell und Caixabank verlegen Hauptsitz Großbanken wandern aus Barcelona ab

Die mögliche Unabhängigkeit Kataloniens verunsichert die Unternehmen. Die spanische Großbank Banco Sabadell verlegt nun ihren Firmensitz aus der Region. Weitere große Unternehmen könnten folgen.
Zentrale der Banc Sabadell in Barcelona

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Im Zuge der Katalonien-Krise verlegt die spanische Großbank Banc Sabadell ihren Firmensitz weg aus der Region. Wie die viertgrößte spanische Bankengruppe am Donnerstagabend nach einer Eilsitzung des Direktoriums mitteilte, wird sie von Barcelona nach Alicante umziehen.

Die Stadt am Mittelmeer zählt zur Region Valencia und damit zum katalanischen Sprachraum, in dem Sabadell verwurzelt ist, ist aber nicht von der für Montag erwarteten Unabhängigkeitserklärung der Regionalregierung in Barcelona betroffen. Der Umzug ist vor allem juristischer und symbolischer Natur: Die Hauptverwaltung soll im Sabadell-Turm im Zentrum von Barcelona bleiben, das Betriebszentrum in Sant Cugat del Vallès.

Mit einer Bilanzsumme von 217 Milliarden Euro und konzernweit 26.000 Mitarbeitern ist die Banc Sabadell  das größte Unternehmen, das Katalonien angesichts der Turbulenzen um die mögliche Abspaltung der Region von Spanien verlässt. Gegründet wurde das Institut im 19. Jahrhundert, um den Aufbau der katalanischen Industrie zu finanzieren. Es ist auch im Privatbanking für reiche Kunden aktiv.

Banc-Sabadell-Präsident Josep Oliu hatte den Auszug schon nach dem verfassungswidrigen, von Polizeigewalt geprägten Unabhängigkeitsreferendum angedeutet. Spanien erlebe eine "beunruhigende Situation", sagte der 68-Jährige. Rechtssicherheit und institutionelle Zuverlässigkeit seien unabdinglich. Um die Interessen der Kunden zu schützen, werde man im Notfall "genügend Maßnahmen" ergreifen.

Palma de Mallorca wird zur Finanzmetropole

Ähnlich äußerte sich auch das Management der CaixaBank  in einer internen Mail. Die börsennotierte Tochter der katalanischen Sparkasse La Caixa, die größte Filialbank in Spanien, soll noch am Freitag über einen Umzug beraten. Laut "El Mundo" und "Financial Times" will die CaixaBank ihren Hauptsitz in Palma de Mallorca nehmen - ebenfalls im katalanischen Sprachraum und historischen Kerngebiet der Bank, aber außerhalb der Region Katalonien.

Die CaixaBank hat als eine der am stärksten kapitalisierten Banken neben den eher international aufgestellten Großkonzernen Santander und BBVA in der spanischen Bankenkrise mehrere kleinere Wettbewerber übernommen. Sie ist Ankeraktionärin mehrerer Großunternehmen wie Gas Natural SDG , Abertis Infraestructuras , Repsol  oder Telefónica . Die gemeinnützige Stiftung von La Caixa zählt zu den größten der Welt.

Für die Banken geht es auch um die Beruhigung der Anleger. Zwar dürfte die Region sich kaum in naher Zukunft effektiv von Spanien lossagen können. Die Unternehmen wollen jedoch jeden Anflug von Unsicherheit vermeiden, ob die spanischen Gesetze, die Einlagensicherung und der Zugang zum europäischen Interbankenmarkt einschließlich der EZB künftig noch für sie gelten.

Doch nicht nur Finanzunternehmen wenden sich aus der wirtschaftsstarken Region ab.

Seat, Freixenet - wer geht noch?

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In der Nacht zu Mittwoch hatte der Biotechnologiehersteller Oryzon Genomics seinen Umzug von Barcelona nach Madrid bekannt gegeben - und war dafür an der Börse mit Kurssprüngen belohnt worden.

Weitere führende Unternehmen in der Region haben ähnliche Pläne:

  • Der Telekommunikationsbetreiber Eurona und Proclinic Expert, ein Anbieter für Zahnarztbedarf, verlagern ebenfalls ihren Firmensitz aus der Region. Sie siedeln nach Madrid beziehungsweise Saragossa über.
  • Der Versicherungskonzern Catalan Occidente überprüft spanischen Medienberichten zufolge einen Umzug. In einer Stellungnahme schrieb das Unternehmen: "Wie werden sehr aufmerksam alle Ereignisse verfolgen, und je nachdem wie sich das Geschehen entwickelt, werden wir flink die passenden Entscheidungen treffen, um die Interessen unserer Kunden, Mitarbeiter, Vertreter und Aktionäre zu schützen."
  • Sogar der Autohersteller Seat will seinen Unternehmenssitz vom Stammwerk Martorell nach Madrid verlegen, berichtet die Zeitung "ABC". Die spanische Tochter von Volkswagen  ist der größte industrielle Arbeitgeber in Katalonien. Seat wollte den Bericht über diesen "Notfallplan" "weder bestätigen noch dementieren". Firmenchef Luca de Meo hatte bereits auf der IAA in Frankfurt mit Blick auf die Unabhängigkeitsbewegung gesagt, man werde sich "den Marktbedingungen anpassen".
  • Der Autobahnbetreiber Abertis steht ohnehin vor der Übernahme und damit der Aufgabe des Hauptsitzes Barcelona. Seit Monaten wirbt die von der Benetton-Familie kontrollierte italienische Gruppe Atlantia um eine Übernahme für 16,3 Milliarden Euro, um die beiden größten Betreiber von Mautstraßen zusammenzuschließen. Laut "Bloomberg" wolle die spanische Börsenaufsicht den Deal am Montag freigeben. Zugleich erwägt der Baukonzern ACS aus Madrid ein Gegenangebot, an dem sich auch die deutsche Tochter Hochtief  beteiligen soll.
  • Die Schaumweinkellerei Freixenet könnte sich ebenfalls vom Cava-Anbaugebiet an der Ebro-Mündung verabschieden. "Das hängt nicht von mir ab, sondern vom Aufsichtsrat, aber der wird sich bald erklären", sagte Freixenet-Chef José Luis Bonet im Fernsehen. Bonet ist auch Präsident der spanischen Handelskammer. Sein Unternehmen steht vor dem Einstieg des deutschen Wettbewerbers Henkell.

Die spanische Zentralregierung erwägt, die autonome Region nach einer Abspaltungserklärung unter Zwangsverwaltung zu stellen. Die Unternehmen fürchten Tumulte, Rechtsunsicherheit sowie im Falle einer Staatsgründung ein Dasein außerhalb der EU.

ak/SPIEGEL ONLINE
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