Brexit-Folge Großbritannien steuert auf Milliardenloch zu

Kriselnde Wirtschaft, sinkende Steuereinnahmen: Laut "Financial Times" droht der britischen Regierung ein gigantisches Haushaltsloch von 116 Milliarden Euro. Schuld ist der Brexit.
Britischer Schatzkanzler Hammond

Britischer Schatzkanzler Hammond

Foto: JUSTIN TALLIS/ AFP

Um 100 Milliarden Pfund (rund 116 Milliarden Euro) könnte sich der Staatshaushalt Großbritanniens in den kommenden fünf Jahren verschulden, berichtet die Zeitung "Financial Times"  und beruft sich dabei auf Schätzungen. Hauptrisiko seien geringere Steuereinnahmen: Denn infolge des Brexit-Votums könnte das Wirtschaftswachstum deutlich sinken, auch Investitionen könnten abnehmen. Bei einer historischen Abstimmung hatten sich die Briten im Juni für den Austritt aus der EU entschieden.

Diese Prognose unterstützt die Annahme, dass es infolge des Brexit-Votums langfristig teuer werden könnte für Großbritannien.

Der Bericht kommt knapp eine Woche vor der Haushaltsrede des britischen Schatzkanzlers Philip Hammond am kommenden Mittwoch. Er weckt Zweifel an den Ankündigungen der Regierung, die Konjunktur mit erhöhten Staatsausgaben und Steuersenkungen in Schwung halten zu können.

"Es wird nicht viel Raum in den öffentlichen Finanzen geben, um die Fiskalpolitik mit einem großen Konjunkturpaket neu zu erfinden", schreibt die "Financial Times".

Johnson und der Prosecco

Für Irritationen sorgte unterdessen Außenminister Boris Johnson. Laut "Guardian" drängte er die europäischen Partner, Großbritannien trotz Brexit freien Zugang zum Binnenmarkt zu gewähren. Demnach habe Johnson dem italienischen Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Carlo Calenda, den Freihandel mit Italiens Prosecco-Absatz auf der Insel schmackhaft machen wollen.

"Sinngemäß sagte er: 'Ich möchte keinen freien Personenverkehr, aber Zugang zum Binnenmarkt'", zitiert Calenda den britischen Außenminister laut der Nachrichtenagentur Bloomberg, auf die sich der "Guardian" beruft. Calenda habe das zurückgewiesen, woraufhin Johnson argumentiert habe: "Dann verkauft ihr weniger Prosecco." 

Der Italiener konterte demnach wie folgt: Großbritannien werde weniger Fish & Chips verkaufen. "Ich verkaufe an ein Land weniger Prosecco, während Sie in 27 Ländern weniger Fish & Chips loswerden." Vergleiche dieser Art seien ein wenig beleidigend, schloss Calenda.

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