Verbindungen zu Macron Frankreichs Finanzermittler nehmen sich McKinsey vor

Schon im französischen Wahlkampf spielten die Beraterverträge der Regierung von Emmanuel Macron eine Rolle. Sogar eine Razzia hat es bei McKinsey gegeben. Nun weiten die Behörden ihre Ermittlungen gegen die Beraterfirma aus.
Wahlkampf: Die Hilfen der Berater für Emmanuel Macron waren schon vor seiner Wiederwahl im April 2022 ein Thema

Wahlkampf: Die Hilfen der Berater für Emmanuel Macron waren schon vor seiner Wiederwahl im April 2022 ein Thema

Foto: Ludovic Marin / picture alliance /dpa/ AFP / AP

Die weltgrößte Beratungsfirma McKinsey bekommt neuen Ärger. Die französische Finanzstaatsanwaltschaft hat eine Untersuchung wegen mutmaßlicher Günstlingswirtschaft und mutmaßlicher illegaler Finanzierung des Wahlkampfs von Präsident Emmanuel Macron (44) im Jahr 2017 eingeleitet. Laut der Zeitung "Le Parisien" soll es dabei um Verträge mit McKinsey gehen.

Die Staatsanwaltschaft bestätigte am Donnerstag, dass sie eine bestehende Untersuchung wegen angeblichen Steuerbetrugs durch die Beratungsfirma McKinsey auf die Frage nach der Rolle von Beratungsfirmen im Wahlkampf 2017 und 2022 ausgeweitet habe. Dass sich die Ermittlungen gegen Macrons Wahlkampforganisation richteten, bestätigte die Behörde nicht. Doch so nah, heißt es in Frankreich, seien juristische Ermittlungen dem Präsidenten noch nie gekommen.

Macrons Büro erklärte, man habe die Nachricht zur Kenntnis genommen. Die Ermittler müssten ihre Arbeit nun "in aller Unabhängigkeit" verrichten. Macron selbst genießt während seiner Amtszeit Immunität. McKinsey hat stets jegliches Fehlverhalten abgestritten, wollte sich aktuell aber nicht äußern.

Damit spitzt sich ein schwelender Konflikt zu, der Frankreich Öffentlichkeit seit Monaten bewegt. Die Inanspruchnahme privater Berater durch Macrons Regierung wurde zu einem der Topthemen vor den Präsidentschaftswahlen im Frühjahr dieses Jahres, bei denen Macron schließlich eine zweite Amtszeit gewann. Die Opposition hatte seiner Regierung vorgeworfen, zu viel Geld für internationale Beraterfirmen auszugeben, die in Frankreich angeblich wenig oder gar keine Steuern zahlen würden.

Vorwurf der "unsachgemäßen Führung von Wahlkampfkonten"

Auch McKinsey war damals in den Fokus geraten. Die ersten Ermittlungen gegen die US-Unternehmensberatung wurden ausgelöst, nachdem der französische Senat im März behauptet hatte, das Unternehmen zahle keine Unternehmenssteuern in Frankreich. "Wir haben nichts zu verbergen", erklärte damals der Haushaltsminister und heutige Arbeitsminister Olivier Dussopt (44) auf einer Pressekonferenz. McKinsey müsse alle Steuern zahlen, die das Unternehmen dem Staat möglicherweise schulde, so die Regierung damals.

Im Mai rückte dann die Polizei bei McKinsey an. Die Beamten führten eine Razzia im Pariser Büro der Berater durch, um den Verdacht auf Steuerbetrug zu untersuchen, wie die Finanzstaatsanwaltschaft damals mitteilte. McKinsey hat die Vorwürfe stets bestritten.

Nun also die neuen Ermittlungen. Die Finanzstaatsanwaltschaft PNF erklärte, die erweiterten Ermittlungen seien als Reaktion auf eine Reihe von Beschwerden von Politikern und Verbänden eingeleitet worden. "Nach mehreren Berichten und Beschwerden von Mandatsträgern und Einzelpersonen wurde am 20. Oktober 2022 eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet", erklärte sie. Dabei ging es insbesondere um Vorwürfe der "unsachgemäßen Führung von Wahlkampfkonten" und der "Unterbewertung der Rolle von Beratungsfirmen in den Wahlkämpfen 2017 und 2022."

Außerdem wurde eine gerichtliche Untersuchung wegen des Vorwurfs der Günstlingswirtschaft und der Verheimlichung von Günstlingswirtschaft eingeleitet. Die Ermittlungen sagen nichts über eine mögliche Schuld; das Verfahren, heißt es, könnte sich über Jahre ziehen.

lhy/Reuters
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