Mittwoch, 8. April 2020

Bilanz als EZB-Präsident Das hat Mario Draghi in acht Jahren erreicht

Mario Draghi

2. Teil: Whatever it takes - die drei magischen Worte

Wer im Netz nach "Whatever it takes" sucht, landet zwar zuerst bei einem Song der "Imagine Dragons" von 2017. Wirklich weltbewegend wurden die Worte jedoch im Mund des EZB-Präsidenten, auf einer Londoner Investorenkonferenz am 26. Juli 2012.

In seiner Rede verglich Draghi den Euro mit einer Hummel - einem Insekt, das wegen seines Gewichts eigentlich nicht fliegen können sollte, es aber doch tut; so wie ein Großteil der Ökonomen davon überzeugt ist, dass die Währungsunion aus Staaten mit unterschiedlichen Volkswirtschaften ohne zusammenhaltende Instanz niemals stabil sei. Und dann lieferte er diese Instanz: "Innerhalb unseres Mandats ist die EZB bereit, alles Nötige zu tun, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir, es wird reichen."

"Whatever it takes" - nach Auffassung der Ökonomen der deutschen Investitionsbank KfW waren das "die drei Worte, die den Euro gerettet haben". Denn damals, auf dem Höhepunkt der Euro-Krise, stand das Auseinanderfliegen der Union tatsächlich auf der Tagesordnung. Diese wirksamste Maßnahme Draghis war zugleich die billigste - die Finanzmärkte reagierten sofort auf die Bestandsgarantie. Das später von der EZB nachgeschobene OMT-Programm, um notfalls den Staaten direkt Anleihen abzukaufen, musste daher nie genutzt werden.

Und der Euro fliegt immer noch. Wie wenig akut die Sorge um seinen Bestand ist, zeigen die Anleihe-Spreads. Anleger nehmen Negativrenditen von minus 0,6 Prozent in Kauf, um Geld für zehn Jahre beim deutschen Staat parken zu dürfen. Griechenland als riskantester Euro-Staat muss noch Zinsen zahlen, aber nur 1,5 Prozent - ein Risikoaufschlag von gerade einmal 2 Prozentpunkten. Anfang 2012, zu Beginn von Draghis Amtszeit, waren es mehr als 27 Prozentpunkte.

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