Dienstag, 23. Juli 2019

Radikale Konjunkturhilfe der EZB gefordert Helikoptergeld findet auch Freunde in Deutschland

Sinnbild Helikoptergeld: Ohne Umweg über das Bankensystem
[m] mm.de; Corbis; Reuters
Sinnbild Helikoptergeld: Ohne Umweg über das Bankensystem

2. Teil: Durchsage von "Helicopter Ben"

Die Frankfurter Geldpolitiker bringen das Helikoptergeld nur zaghaft ins Gespräch, nachdem ihre außergewöhnlichen Konjunkturhilfen wie Mega-Anleihenkäufe oder Negativzinsen noch immer nicht reichen, um die Inflationsrate über Null zu halten. Sie tun das bisher auch nur auf Nachfrage, aber dass sie überhaupt auf das Thema eingehen, hat seit der März-Pressekonferenz der EZB schon einen neuen Ton gesetzt.

Da nannte Draghi Helikoptergeld "ein sehr interessantes Konzept, das akademische Ökonomen diskutieren" (aber nicht die EZB selbst). Seine Stellvertreter führten die Linie in Interviews anschließend aus. EZB-Außenminister Benoît Cœuré verwies gegenüber "Politico" auf die rechtlichen Hürden, Geld- und Fiskalpolitik zu trennen. Leider, leider: "Was immer mein persönliches intellektuelles Interesse sein mag, als Ratsmitglied bin ich ziemlich skeptisch."

Chefökonom Peter Praet bezeichnete Helikoptergeld in "La Repubblica" immerhin als prinzipiell möglich, für jede Zentralbank. Die Frage sei nur, wann dieses "wirklich extreme Instrument" angemessen sei. Immerhin fand er das Beispiel nützlich, um dem Vorwurf entgegenzutreten, der Werkzeugkasten der Zentralbank sei leer. Zunächst jedoch sollten die anderen vorhandenen Mittel ausgereizt werden.

Die Deutsche Bank rechnet mit Helikoptergeld in der nächsten Krise

Analysten der Deutschen Bank um George Saravelos glauben daher, dass die Zeit für das Helikoptergeld noch nicht gekommen sei. Die EZB bereite dafür aber mit ihrem lauten, inoffiziellen Nachdenken den Boden mit Blick auf die nächste Rezession, um dann noch einen mächtigen Hebel nutzen zu können. Aus Sicht der Analysten seien auch die juristischen Hürden nicht unüberwindbar.

Mit ähnlichem Tenor mischt sich der frühere US-Notenbankchef Ben Bernanke, der seit einem Rückgriff auf Milton Friedman 2002 den Beinamen "Helicopter Ben" trägt, wieder in die Debatte ein .

Bernanke führt aus, wie Helikoptergeld einzusetzen sei, ohne die Grenzen zwischen Geld- und Fiskalpolitik zu verletzen - nur für den Fall der Fälle, wie er betont. Er bezieht sich auf die USA, wo die Helikopter auf absehbare Zeit gar nicht gebraucht würden. Anderswo könnte das Interesse an dieser "extrem wahrscheinlich wirksamen" Maßnahme aber real werden. Er denke da an Japan oder Europa.


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