Italien greift durch Luxusjacht des Tui-Großaktionärs Alexej Mordaschow beschlagnahmt

Die italienische Polizei hat die Luxusjacht von Alexej Mordaschow in der Hafenstadt Imperia sichergestellt. Derweil hat der Großaktionär seine Tui-Anteile aus Furcht vor EU-Sanktionen neu geordnet – offenbar in letzter Minute.
Oligarchenjacht "Lady M": Der Wert des Luxusschiffs von Alexej Mordaschow liegt bei 65 Millionen Euro

Oligarchenjacht "Lady M": Der Wert des Luxusschiffs von Alexej Mordaschow liegt bei 65 Millionen Euro

Foto: Antonio Calanni / AP

Italien hat Besitztümer russischer Oligarchen im Wert von 140 Millionen Euro beschlagnahmt. Allein die Luxusjacht des Tui-Großaktionärs Alexej Mordaschow (56) ist nach Behördenangaben 65 Millionen Euro wert. Die "Lady M" wurde in der ligurischen Hafenstadt Imperia "im Einklang mit den jüngsten EU-Sanktionen" festgesetzt, erklärte ein Regierungsberater.

Italienischen Medienberichten zufolge wurde in Sanremo auch die Jacht "Lena" des Milliardärs Gennadi Timtschenko (69) festgesetzt. Dieses Schiff soll 50 Millionen Euro wert sein. Timtschenko war Mitbegründer des Unternehmens Gunvor. (Anmerkung der Redaktion: nach Veröffentlichung des Artikels erreichte uns die Information eines Unternehmenssprechers, dass Gunvor nicht wie in einer Agenturmeldung behauptet "ein russisches Rohstoffhandelsunternehmen" ist. Die auf Zypern eingetragene und dort mit ihrer Unternehmenszentrale ansässige Gunvor Group Ltd ist Eigentümerin der Gunvor (Schweiz) AG.)

Betroffen ist demnach auch eine Immobilie auf Sardinien im Wert von rund 17 Millionen Euro, die dem russischen Milliardär Alischer Usmanow (68) gehört. Um dessen im Hamburger Hafen liegende Jacht "Dilbar" hatte es zuletzt ein Verwirrspiel gegeben.

Die italienischen Behörden verkündeten darüber hinaus die Beschlagnahmung von Immobilien im Gesamtwert von elf Millionen Euro, die zwei der russischen Führung nahestehend geltenden Einzelpersonen gehören sollen. Im Zuge der Strafmaßnahmen gegen Russland wegen der Ukraine-Invasion hatte die Europäische Union Sanktionen gegen mehr als 500 Einzelpersonen und Organisationen verhängt, denen Nähe zu Kreml-Chef Wladimir Putin (69) vorgeworfen wird. Ihre Besitztümer in der EU sollen eingefroren werden, wenn es gelingt, sie zu lokalisieren, und die Verbindung zu sanktionierten Eigentümern nachgewiesen werden kann.

In einer Erklärung hatte Mordaschow kürzlich jede Verantwortung für den Ukraine-Krieg von sich gewiesen. "Ich habe absolut nichts mit den derzeitigen geopolitischen Spannungen zu tun und verstehe nicht, warum die EU mich mit Sanktionen belegt hat", schrieb er.

Mordaschow ordnet seine Tui-Anteile neu

Noch kurz vor Verhängung der EU-Sanktionen hat Mordaschow seine Beteiligung an dem Reisekonzern Tui neu geordnet. Von seiner bisher 34-prozentigen Beteiligung, die er über die Firma Unifirm im EU-Land Zypern gehalten hatte, übertrug er einen Anteil von 4,1 Prozent zu seiner russischen Holding Severgroup, wie Tui mitteilte. Seine Anteile an Unifirm, die er über zwei Tochtergesellschaften gehalten hatte, verkaufte er an eine Firma namens Ondero Limited auf den britischen Jungferninseln. Beides geschah demnach am 28. Februar.

Den Angaben zufolge hält Ondero Limited über Unifirm jetzt einen Anteil von 29,9 Prozent an Tui und ist damit der größte Aktionär des weltgrößten Reisekonzerns. «Wir wissen nicht, wer die Gesellschafter von Ondero sind», sagte ein Tui-Sprecher am Wochenende. Damit ist offen, ob auch Mordaschow dazugehört. Die Jungferninseln gelten als Steueroase, in der viele Briefkastengesellschaften ihren Sitz haben.

Mit der Übertragung von weniger als 30 Prozent der Tui-Aktien vermied Mordaschow, dass Ondero eine Übernahmeofferte für den deutschen Reisekonzern abgeben muss. Mit der Neuordnung seiner Tui-Anteile handelte der Russe offenbar in letzter Minute.

Mordaschow ist Haupteigentümer des russischen Stahlkonzerns Severstal und war zumindest bis Ende Februar auch der größte Aktionär von Tui. Nach Verhängung der EU-Sanktionen schied er am Mittwoch aus dem Aufsichtsrat des Reisekonzerns aus. «Ziel der EU-Sanktionen ist, dass Herr Mordaschow nicht mehr über seine Aktien an der Tui AG verfügen kann», teilte der Konzern dazu mit. So solle verhindert werden, dass Mordaschow Erlöse oder Gewinne aus seiner Beteiligung an Tui erzielen kann.

hr mit Nachrichtenagenturen