Vor EU-Klimapaket Autoindustrie fordert massive Investitionen in Ladesäulen

Brüssel will die CO2-Vorgaben für Europas Autobauer verschärfen. Oliver Zipse, BMW-Chef und Präsident des Herstellerverbands, warnt die Politik und macht klar, dass dies allenfalls unter einer Bedingung möglich sei.
Ein Fürsprecher an seiner Seite: BMW-Chef Oliver Zipse (r.) und Binnenmarktkommissar Thierry Breton besuchen Anfang Juli das BMW-Forschungszentrum für Wasserstoff-Technologie

Ein Fürsprecher an seiner Seite: BMW-Chef Oliver Zipse (r.) und Binnenmarktkommissar Thierry Breton besuchen Anfang Juli das BMW-Forschungszentrum für Wasserstoff-Technologie

Foto: Sven Hoppe / dpa

Für die EU-Kommission ist die Sache klar: Der Verkehr ist zwar nur eine Emissionsquelle, doch die Autoindustrie in Europa soll und muss einen wichtigen Beitrag zur Senkung des klimaschädlichen CO2-Gases leisten. Bisher gilt, dass der CO2-Ausstoß bei Neuwagen 2030 im Schnitt um 37,5 Prozent niedriger sein muss als 2021. Doch sickert vor der Präsentation des "Fit-for-55"-Klimapakets an diesem Mittwoch durch, dass die Behörde die Zielvorgaben auf bis zu 65 Prozent festschreiben lassen möchte, um dann 2035 das Ende des Verbrennungsmotors für Neuwagen auszurufen.

Hinter den Kulissen, berichtet die "FAZ" , ist in der Kommission nun heftiger Streit darüber entbrannt, was der Autoindustrie zugemutet werden kann. Während Kommissionsvizepräsident und Klimakommissar Frans Timmermanns (60) das Aus des Verbrennungsmotors auf 2035 festschreiben lassen möchte, sehen der französische Binnenmarktkommissar Thierry Breton (66) und Verkehrskommissarin Adina Vălean (53) dies frühestens für 2040, heißt es in dem Bericht.

BMW-Chef warnt vor Verschärfung von CO2-Grenzwerten

Die Autoindustrie bringt sich parallel in Stellung und warnt vor einer Verschärfung von Kohlendioxid-Grenzwerten, ohne dass die EU-Mitgliedsstaaten parallel massiv in eine Ladeinfrastruktur für die boomenden Elektroautos investieren. Für jeden weiteren Prozentpunkt der Zielverschärfung benötige man zusätzlich mindestens 200.000 weitere öffentliche Ladepunkte für Elektroautos - über die bereits erforderlichen drei Millionen Stück im Jahr 2030 hinaus, warnte BMW-Chef Oliver Zipse (57), der zugleich Präsident des europäischen Autoherstellerverbands Acea ist.

Sechs Millionen öffentliche Ladepunkte etwa seien notwendig, wenn die Autobauer die CO2-Emissionen für Neuwagen bis 2030 um 50 Prozent reduzieren müssten. "Mit heute weniger als 225.000 Stück müsste das einer Steigerung um den Faktor 27 in weniger als zehn Jahren entsprechen", sagte Zipse.

Mit dem "Fit-for-55"-Klimapaket will die Kommission am Mittwoch mehr als ein Dutzend Vorschläge unterbreiten, wie die EU den Ausstoß bis 2030 um 55 Prozent gegenüber 1990 senken kann - statt um die bisher geplanten 40 Prozent. Dass der Verkehr dann ebenfalls einen höheren Beitrag zur CO2-Reduzierung leisten muss, liegt auf der Hand.

Zipse sagte dazu, es gehe darum, nicht nur ambitionierte Klimaschutzziele zu formulieren, sondern mit verbindlichen Vorgaben für mehr Ladeinfrastruktur gleichzeitig auch eine entscheidende Grundlage für deren Erreichen zu schaffen.

rei/dpa-afx
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.