EU-Kommission Kroatien darf 2023 den Euro einführen

Der lästige Geldumtausch bei einem Kroatien-Urlaub dürfte bald ein Ende haben. Die EU-Kommission sieht das Land bereit für die Euro-Einführung. Die EZB begrüßt den Schritt, mahnt aber Finanzreformen an.
Altstadt von Dubrovnik: Die lange Adriaküste Kroatiens lockt unzählige Touristen ins Land, vor allem der Fremdenverkehr sieht der Einführung des Euro mit großen Erwartungen entgegen. Zugleich besteht in der Bevölkerung die Sorge, dass mit der Einführung der Gemeinschaftswährung sich viele Dinge verteuern werden.

Altstadt von Dubrovnik: Die lange Adriaküste Kroatiens lockt unzählige Touristen ins Land, vor allem der Fremdenverkehr sieht der Einführung des Euro mit großen Erwartungen entgegen. Zugleich besteht in der Bevölkerung die Sorge, dass mit der Einführung der Gemeinschaftswährung sich viele Dinge verteuern werden.

Foto: Jens Kalaene/ picture alliance / dpa

Das beliebte Urlaubsland Kroatien erfüllt nach einer abschließenden Bewertung der EU-Kommission die Voraussetzungen für die Einführung der Gemeinschaftswährung Euro. Nach Angaben der Brüsseler Behörde vom Mittwoch könnten damit bereits im Sommer die noch ausstehenden EU-Beschlüsse gefasst werden. Kroatien will seine Landeswährung Kuna ab dem kommenden Jahr durch den Euro ersetzen.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (63) kommentierte: "Weniger als ein Jahrzehnt nach seinem EU-Beitritt ist Kroatien nun bereit, dem Euro-Währungsgebiet am 1. Januar beizutreten." Dies werde die kroatische Wirtschaft stärken und den Bürgerinnen und Bürgern, den Unternehmen und der Gesellschaft insgesamt Vorteile bringen. Durch die Einführung des Euro in Kroatien werde auch der Euro gestärkt. Der zuständige Vizepräsident Valdis Dombrovskis (50) sprach von einem "historischen Augenblick" für das zuletzt rund 4,1 Millionen Einwohner zählende Land an der Adria.

Kroatien bemüht sich seit Jahren, die Kriterien für eine Aufnahme in den Euro-Club zu erfüllen. Als bislang letztes Land war zum 1. Januar 2015 Litauen als 19. Mitglied in den Kreis der Länder mit der Gemeinschaftswährung aufgenommen worden. Nach den EU-Verträgen sind alle Mitgliedstaaten bis auf Dänemark zum Beitritt zur Gemeinschaftswährung verpflichtet, sobald sie die Voraussetzungen erfüllen. Mehrere Staaten verfolgen dies aber nicht mit Nachdruck - zu ihnen zählen etwa Schweden, Polen und Ungarn.

Beitritt zur Gemeinschaftswährung verpflichtend, manche Staaten sträuben sich

In Kroatien sieht vor allem der Fremdenverkehr der Einführung des Euro mit großen Erwartungen entgegen. Das Land mit der langen Adriaküste, den vielen malerischen Buchten und Inseln, lebt stark vom Tourismus. Zugleich befürchten viele Menschen, dass durch die Umstellung auf die europäische Gemeinschaftswährung die Lebenshaltungskosten stark steigen könnten.

Den förmlichen Beschluss über die Euro-Einführung in Kroatien soll der Rat der 27 Mitgliedstaaten in der ersten Juli-Hälfte fassen. Schwierigkeiten werden nach der eindeutigen Bewertung der EU-Kommission allerdings nicht erwartet. Er rechne damit, dass Kroatien der Eurozone nächstes Jahr beitreten könne, sagte Dombrovskis am Mittwoch.

Die Europäische Zentralbank (EZB) äußerte sich am Mittwoch ebenfalls positiv. "Die Frühjahrsprognose 2022 der Europäischen Kommission zeigt, dass Kroatien auf dem besten Weg ist, die Anforderungen des Stabilitäts- und Wachstumspakts weiterhin zu erfüllen", stellte die Notenbank anlässlich der Vorlage ihres sogenannten Konvergenzberichts fest. Zugleich gab es allerdings auch eine Mahnung: "Um solide öffentliche Finanzen zu gewährleisten und die Schuldenquote auf einen langfristigen Abwärtspfad zu bringen, muss Kroatien unbedingt die im Rahmen seines Konjunkturprogramms geplanten Finanzreformen durchführen", hieß es.

DPA