Montag, 18. November 2019

Europas Wirtschaft wächst wieder Super, Mario!

Erfolg zu verbuchen: Mario Draghi führt Europa wieder zusammen - außer vielleicht Griechenland

Irgendwann musste ja mal Schluss sein mit der Dauerkrise Europas. Die Konjunkturdaten zum ersten Vierteljahr 2015 sind zwar nur eine Momentaufnahme, solche Quartalsmeldungen schwanken stark nach oben und unten. Doch das Bild macht Hoffnung: Der zerstückelte Kontinent scheint wieder zueinander zu finden.

1,0 Prozent Wachstum der Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vorjahr - für das vor Selbstbewusstsein strotzende Deutschland mag das eine Enttäuschung sein, aber auch eine Erinnerung daran, dass selbst hierzulande der Motor nicht von allein in Schwung kommt. Für Europa insgesamt ist die Zahl eine Erlösung nach Jahren der Rezession.

Der aktuelle Wachstumsstar unter den großen Euro-Nationen heißt Spanien. Frankreich wächst doppelt so schnell wie Deutschland, sogar Italien hat gleichgezogen. Ein Land nach dem anderen, das in den vergangenen Jahren zum Existenzrisiko für die Währungsunion ausgerufen wurde, kehrt zur Normalität zurück. Griechenland bildet allerdings eine Ausnahme, aber es ist eben das: eine Ausnahme.

Eine Ausnahme auch von der Hilfe, die überall sonst von der Europäischen Zentralbank für die Konjunktur ausgeht. Der nach langem Zögern von EZB-Präsident Mario Draghi im Januar eingeleitete Geldschub entfaltet seine Wirkung.

Niedrige Zinsen (außer in Griechenland) und der günstige Euro Börsen-Chart zeigen - eine indirekte Folge der Anleihenkäufe - bilden den Rahmen für Europas Erholung. Dass dieser Rahmen in den vergangenen Wochen und Monaten wieder etwas enger wurde, stellt die Erholung nicht infrage. Wieder ins positive Terrain steigende Zinssätze und ein moderat stärkerer Euro künden eher von Optimismus, dass die Hilfe ankommt - auch wenn sie nicht überall gleichermaßen gebraucht wird.

Natürlich kann Draghi sich das Verdienst nicht allein zuschreiben. Die berühmten Selbstheilungskräfte des Marktes sind auch am Wirken. Unendlich lang lässt sich der Kauf eines neuen Autos oder einer neuen Maschine nicht aufschieben, unendlich tief kann die Beschäftigung nicht fallen. Diese Grenzen lassen sich allerdings sehr weit ausdehnen, vor allem wenn die Akteure sich auf eine deflationäre Abwärtsspirale einstellen.

Dieses Schreckgespenst ist jetzt wahrscheinlich verscheucht. Das kann Draghis EZB als Erfolg verbuchen.

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