Dienstag, 2. Juni 2020

Keir Starmer ersetzt Jeremy Corbyn Neuer Labour-Chef bietet Johnson Kooperation im Kampf gegen Virus an

Keir Starmer, neuer Chef der britischen Labour-Partei (Archivaufnahme)
Hollie Adams/Getty Images
Keir Starmer, neuer Chef der britischen Labour-Partei (Archivaufnahme)

Mitten in der Corona-Krise hat die britische Labour-Partei ihre Führung ausgetauscht. Die größte Oppositionspartei des Landes bestimmte am Samstag den als eher gemäßigt geltenden Politiker Keir Starmer zum Nachfolger des linksgerichteten Parteichefs Jeremy Corbyn. Nach seinem deutlichen Wahlsieg stellte Starmer ein Ende der jahrelangen Flügelkämpfe bei Labour in Aussicht und kündigte eine Zusammenarbeit mit der Regierung im Kampf gegen die Pandemie an.

Der frühere Chef der Staatsanwaltschaft, der sich entschieden gegen den inzwischen vollzogenen Brexit eingesetzt hatte, stellte konstruktive Gespräche mit dem konservativen Premierminister Boris Johnson in Aussicht. Nötigenfalls werde er aber auch auf dessen Fehler und Versäumnisse hinweisen, sagte Starmer.

Johnson war zunächst zurückhaltend mit Reaktionen auf den Virus-Ausbruch gewesen. Weil er eine hohe Zahl von Todesopfern befürchtete, änderte er später aber seinen Kurs und beschloss weitreichende Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Nach Auskunft des Regierungsberaters Neil Ferguson vom Imperial College London sind größere Lockerungen nicht vor Ende Mai zu erwarten. Mittlerweile sind im Land fast 40.000 Infektionen bestätigt und über 3600 Todesfälle bekannt. Johnson lud die Chefs der Oppositionsparteien zu einer Unterrichtung in der kommenden Woche ein und rief sie zur Kooperation auf. Zugleich gratulierte er Starmer via Twitter zu dessen Wahlsieg.

Schlechtestes Wahlergebnis seit 1935

Der neue Labour-Chef forderte, nach der Virus-Krise eine fairere Gesellschaft aufzubauen. Die Menschen, die jetzt im Kampf gegen die Pandemie in vorderster Linie stünden, bräuchten eine höhere Bezahlung und bessere Lebenschancen. "In ihrer Entschlossenheit und ihrer Opferbereitschaft und ihrem Mut können wir eine bessere Zukunft erkennen", sagte Starmer in einer vorab aufgezeichneten Dankesrede. Wegen der Ansteckungsgefahren hatte Labour auf ein Parteitreffen verzichtet. Der Wahlkampf war wegen der Corona-Krise zuletzt fast zum Erliegen gekommen.

Auf Starmer entfielen 56 Prozent der Stimmen. Die Corbyn-Vertraute Rebecca Long-Bailey kam auf 28 Prozent, Mitbewerberin Lisa Nandy auf 16 Prozent. Corbyn hatte seinen Rückzug angekündigt, nachdem Labour bei der Parlamentswahl Mitte Dezember unter seiner Führung das schlechteste Ergebnis seit 1935 eingefahren hatte. Unter Corbyn war Labour nach links gerückt und hatte mit zahlreichen innerparteilichen Konflikten zu kämpfen. So herrschte Uneinigkeit über den Brexit, und es gab Vorwürfe anti-semitischer Tendenzen in der Partei.

Reuters

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