Türkischer Lira-Verfall sorgt in Italien für Unruhe  Regierungsvertreter spekuliert über drohende Finanzattacke

Luigi Di Maio: Italiens Vize-Regierungschef sieht keine akute Gefahr einer Finanzattacke

Luigi Di Maio: Italiens Vize-Regierungschef sieht keine akute Gefahr einer Finanzattacke

Foto: TONY GENTILE/ REUTERS

Öffentliche Äußerungen über eine zu erwartende Spekulantenattacke haben in Italien für Aufsehen gesorgt. Urheber der Äußerung, die wenig später von Vize-Regierungschef Luigi Di Maio kassiert wurde, war der Lega-Spitzenpolitiker Giancarlo Giorgetti. Dieser hatte am Sonntag der Zeitung "Libero" gesagt, Italien stelle sich auf eine Attacke durch Spekulanten im August ein.

Der geringe Handel in den Sommermonaten begünstige derartige Angriffe, sagte er. "Die Märkte sind voller hungriger spekulativer Fonds, die ihre Beute ausspähen und zugreifen. Schaut auf die Türkei." Italiens Vize-Regierungschef Luigi Di Maio hingegen sieht nach eigenen Angaben hingegen keinen Grund zur akuten Sorge. "Ich sehe keine konkrete Gefahr", sagte Di Maio der italienischen Tageszeitung "Corriere della Sera" vom Montag.

Außenminister rührt Werbetrommel für den Euro

Der parteilose Außenminister Enzo Moavero Milanesi sagte der Zeitung "Il Foglio" vom Samstag, der Kollaps der türkischen Lira zeige, wie wichtig die Euro-Mitgliedschaft für Italien sei. "Diejenigen, die Zweifel haben, ob eine Währung wie der Euro gut ist, sollen sorgfältig darauf schauen, was in der Türkei passiert."

Geschürt wurde der Lira-Verfall unter anderem von Sorgen über die Einflussnahme der türkischen Regierung auf die Notenbank. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan gilt als Gegner hoher Zinsen. Die türkische Zentralbank kündigte am Montag Maßnahmen an, um den Verfall der Lira zu stoppen.

Vor der Wahl im März hatte sich die Lega für einen Austritt Italiens aus der Euro-Zone eingesetzt. Seit Bildung der Regierung mit der populistischen 5-Sterne-Bewegung hat sie jedoch mehrfach bestritten, die Abkehr von der Gemeinschaftswährung zu planen.

Unruhe am Finanzmarkt

An Italiens Finanzmarkt herrschte zuletzt Unruhe. Investoren befürchteten, dass die Regierung die europäischen Fiskalregeln ignorieren und die Schulden in die Höhe treiben könnte. Der Risikoaufschlag für italienische Staatsanleihen im Vergleich zu deutschen Bonds legte am Montag zu und war so hoch wie zuletzt Ende Mai.

Italien stimmte die Bevölkerung und die Euro-Partner bereits in der vergangenen Woche auf einen langsameren Abbau der hohen Verschuldung ein. Di Maio erklärte, sie wollten die EU davon überzeugen, Reformen in Angriff zu nehmen, die sowohl den Abbau von Schulden erlauben als auch die Nachfrage im Land antreiben. Der Haushaltsentwurf für 2019 soll im September im Parlament eingebracht und einen Monat später der EU-Kommission vorgelegt werden.

mihec/reuters
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