Mittwoch, 13. November 2019

Nachfolgerin von Sabine Lautenschläger Wirtschaftsweise Isabel Schnabel soll ins EZB-Direktorium rücken

Isabel Schnabel: Die Professorin für Finanzmarktökonomie soll im EZB Direktorium Nachfolgerin von Sabine Lautenschläger werden. Derzeit ist Schnabel Mitglied des Sachverständigenrats, der die Bundesregierung berät
Sachverständigenrat
Isabel Schnabel: Die Professorin für Finanzmarktökonomie soll im EZB Direktorium Nachfolgerin von Sabine Lautenschläger werden. Derzeit ist Schnabel Mitglied des Sachverständigenrats, der die Bundesregierung berät

Die Bundesregierung will einem Insider zufolge die Wirtschaftsweise Isabel Schnabel für das Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) nominieren. Eine mit der Entscheidung vertraute Person sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag, Schnabel solle den vakanten Posten bei der EZB bekommen.

Die Neubesetzung war notwendig geworden, weil die deutsche EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger angekündigt hatte, Ende Oktober vorzeitig aus dem Direktorium zurückzutreten. Ein Sprecher des Finanzministeriums lehnte eine Stellungnahme dazu ab.

Schnabel ist Professorin für Finanzmarktökonomie an der Universität in Bonn und sitzt seit 2014 im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, der die Bundesregierung berät. Sie gilt als Expertin in der Geldpolitik. Zu den Forschungsschwerpunkten der 48jährigen zählen die Bankenregulierung und Finanzkrisen. Die gebürtige Dortmunderin hatte zuletzt die EZB-Geldpolitik gegen die häufig scharfen Angriffe aus Deutschland verteidigt. Allerdings kritisierte sie in der Vergangenheit auch den ultralockeren Kurs unter EZB-Präsident Mario Draghi, wobei sie unter anderem vor Risiken für die Finanzstabilität warnte.

Finanzminister sprechen im November eine Empfehlung aus

Finanzminister Olaf Scholz hatte bereits signalisiert, er wolle eine Frau als Nachfolgerin finden. Lautenschläger war zuletzt die einzige Frau im sechsköpfigen Führungsteam der Euro-Notenbank. Traditionell besetzen Deutschland, Frankreich und Italien - die drei größten Volkswirtschaften der Euro-Zone - jeweils eine Position im EZB-Direktorium.

Der FDP-Finanzexperte Florian Toncar äußerte sich kritisch. "Ich hätte mir sehr gewünscht, dass die Bundesregierung eine Person vorschlägt, die sich klar zu einer geldpolitischen Wende bekennt, vor allem zu einem Ende des Ankaufs von Staatsanleihen und zu höheren Zinsen", sagte er zu Reuters. Aus seiner Sicht wäre ein Weiter so in der Geldpolitik gefährlich für die Sparer und die Altersvorsorge, aber auch für die Finanzstabilität und die Glaubwürdigkeit der EZB selbst.

Es war erwartet worden, dass Deutschland bis Ende Oktober einen Kandidatenvorschlag unterbreitet. Die Euro-Finanzminister würden dann im November eine Empfehlung aussprechen. Die formelle Ernennung ist auf einem EU-Gipfel im Dezember geplant.

la/reuters

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