Plus 7,5 Prozent Inflation im Euroraum so hoch wie nie zuvor

Nach der deutschen vermeldet auch die europäische Statistikbehörde einen rasanten Anstieg der Preise im März. Mit 7,5 Prozent war die Teuerung so hoch wie noch nie seit Einführung der Gemeinschaftswährung in 1999.
Steht in der Kritik: EZB-Chefin Christine Lagarde zögert noch immer mit der Zinswende, obwohl die Preise immer weiter steigen

Steht in der Kritik: EZB-Chefin Christine Lagarde zögert noch immer mit der Zinswende, obwohl die Preise immer weiter steigen

Foto: Thomas Lohnes / POOL / EPA

Angetrieben von massiv gestiegenen Energiepreisen infolge des Ukraine-Krieges markiert die Inflation im Euroraum ein neues Rekordhoch. Dienstleistungen und Waren kosteten im März durchschnittlich 7,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistikamt Eurostat am Freitag auf Basis einer ersten Schätzung mitteilte. Ökonomen hatten lediglich mit einem Wert von 6,6 Prozent gerechnet nach 5,9 Prozent im Februar. Die Inflation ist nunmehr meilenweit über das Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) hinausgeschossen, die eine Rate von 2,0 Prozent als optimalen Wert für die Wirtschaft anpeilt. Erst am Mittwoch hatte auch das Statistische Bundesamt in Deutschland die höchste Inflationsrate seit 40 Jahren vermeldet.

Haupttreiber der Inflation sind die stark gestiegenen Preise für Energie, die im Zuge des Krieges in der Ukraine massiv anzogen. Sie legten auf Jahressicht um 44,7 Prozent zu, nachdem es im Februar bereits 32,0 Prozent waren. Unverarbeitete Lebensmittel verteuerten sich um 7,8 Prozent, Lebens- und Genussmittel waren im März 5,0 Prozent teurer als vor einem Jahr.

Ohne Energie, Lebens- und Genussmittel stieg die Kernrate der Verbraucherpreise im März auf 3,0 Prozent, nach 2,7 Prozent im Vormonat. Die Kerninflation ist weniger schwankungsanfällig und wird daher von vielen Ökonomen als verlässliches Maß für den Inflationstrend angesehen.

EZB rechnet erst in einigen Monaten mit Höhepunkt der Inflationswelle

Seit dem vergangenen Sommer hat sich die Teuerung kontinuierlich verstärkt, wobei zuletzt bereits Rekordwerte erreicht wurden. Im Monatsvergleich stiegen die Verbraucherpreise im März um 2,5 Prozent. Auch hier fiel der Preissprung deutlich stärker als erwartet aus.

Das mittelfristige Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2 Prozent wird damit bereits um mehr als das Dreifache überschritten. An den Märkten wird mittlerweile fest mit mindestens einer Leitzinserhöhung in diesem Jahr gerechnet. Mit höheren Leitzinsen kann eine steigende Inflation in der Eurozone bekämpft und Preisstabilität gewährleistet werden.

Die EZB stellt sich auf kurze Sicht auf noch weiter steigende Verbraucherpreise in der Euro-Zone ein. EZB-Vizechef Luis de Guindos (62) rechnet erst in einigen Monaten mit dem Höhepunkt der Inflationswelle. In der zweiten Jahreshälfte soll sie sich dann abflachen.

ZEW kritisiert Zinspolitik der EZB scharf

Volkswirte kritisieren mehr und mehr die Haltung der EZB und ihrer Chefin Christine Lagarde (66). "Die Zinspolitik und Wertpapierkäufe der EZB wirken inzwischen wie aus der Zeit gefallen", sagte Ökonom Friedrich Heinemann vom Mannheimer ZEW. Sie betreibe im Grunde immer noch eine Politik der Deflationsbekämpfung, obwohl Europa den stärksten Inflationsschub seit Einführung des Euro erlebe und auch die Inflationserwartungen kletterten. Das Problem der EZB: Viele Staaten in der EU sind so hoch verschuldet, dass eine rasche und deutliche Zinserhöhungsabfolge sie an den Rand der Pleite drängen könnte. Die US-Notenbank Fed hat die Zinswende dagegen schon eingeleitet.

mg/Reuters, dpa-afx