Nachlassende Inflation Milde Töne aus der EZB mehren sich

Welches Tempo schlägt Christine Lagarde beim Kampf gegen die Inflation künftig an? Glaubt man Stimmen aus ihrem Umfeld, so könnte die EZB-Chefin ein wenig den Fuß vom Gaspedal nehmen.
Zinswächterin: EZB-Chefin Christine Lagarde entscheidet über die Geldpolitik der Zentralbank

Zinswächterin: EZB-Chefin Christine Lagarde entscheidet über die Geldpolitik der Zentralbank

Foto: Boris Roessler / dpa

In der Europäischen Zentralbank (EZB) mehren sich die Stimmen, die für eine weniger aggressive Gangart bei der künftigen Zinspolitik sprechen. Nach Einschätzung des Chefvolkswirtes der EZB, Philip Lane, etwa hat die Inflation in der Eurozone ihren Höhepunkt wohl nahezu erreicht. Er sei "einigermaßen zuversichtlich", dass sich die Teuerung in der Nähe ihres Zenits befinde, sagte Lane in einem am Dienstag auf der Internetseite der Notenbank veröffentlichten Interview mit der italienischen Wirtschaftszeitung "Milano Finanza". Noch sei es aber unsicher, ob die Inflation ihren Höhepunkt bereits erreicht hat, oder ihn erst Anfang 2023 erreichen wird.

Im November war die Inflationsrate in der Eurozone auf 10,0 Prozent gesunken, nachdem sie im Oktober ein Rekordhoch seit Einführung des Euro bei knapp über 10 Prozent erreicht hatte. Zuletzt hatte die EZB mit starken Zinserhöhungen um 0,75 Prozentpunkte gegen die hohe Inflation angekämpft.

"Wir gehen davon aus, dass weitere Zinserhöhungen notwendig sein werden, aber es wurde bereits viel getan", sagte Lane. Bei den weiteren Zinsschritten sollte nach Einschätzung des Chefvolkswirts das Ausmaß dessen berücksichtigt werden, "was wir bereits erledigt haben".

Zentralbankchefs befürworten kleineren Zinsschritt

Am Markt wird derzeit über das Ausmaß der Zinserhöhung auf der kommenden Zinssitzung Mitte Dezember spekuliert. Derzeit ist nicht klar, ob die EZB die Leitzinsen erneut um 0,75 Prozentpunkte oder um 0,50 Punkte anheben will.

Der irische Zentralbankchef Gabriel Makhlouf erwartet den kleineren Zinsschritt. Er rechne damit, dass auf der EZB-Ratssitzung am 15. Dezember wahrscheinlich eine Zinserhöhung um einen halben Prozentpunkt beschlossen wird, sagte Makhlouf am Montag. Die EZB habe aber noch nicht die Phase erreicht, in der sie zuversichtlich sein könne, die Inflation unter Kontrolle zu haben. 2023 würden daher weitere Zinserhöhungen nötig werden.

Frankreichs Zentralbankchef Francois Villeroy de Galhau sprach sich jüngst ebenfalls dafür aus, den Leitzins nicht mehr so stark wie zuletzt anzuheben.

Hintergrund: Es mehren sich die Zeichen einer Abschwächung des hohen Preisdrucks. Die Produzentenpreise in der Industrie erhöhten sich im Oktober um 30,8 Prozent. Im September lag das Plus noch bei 41,9 Prozent. Und auch die Verbraucherpreise steigen nicht mehr so rasant. Die Abschwächung vom bisherigen Rekordniveau dürfte den Währungshütern Argumente liefern, bei den Zinserhöhungen den Fuß etwas vom Gas zu nehmen.

cr/dpa, Reuters
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