Teuerung auf Rekordhoch Inflationsrate in der Eurozone springt über 8-Prozent-Marke

Explodierende Preise für Energie und Lebensmittel haben die Teuerungsrate in der Eurozone auf ein neues Rekordhoch getrieben. EZB-Chefin Christine Lagarde hat zur Bekämpfung der hohen Inflation nach langem Zögern nun ein Ende der Negativzinsen angekündigt.
Rauf mit den Zinsen: Die Ära der Negativzinsen ist laut EZB-Chefin Christine Lagarde bald vorbei

Rauf mit den Zinsen: Die Ära der Negativzinsen ist laut EZB-Chefin Christine Lagarde bald vorbei

Foto: DANIEL ROLAND / AFP

Der Preisschub bei Energie treibt die Inflation im Euro-Raum auf ein neues Rekordhoch. Waren und Dienstleistungen kosteten im Mai durchschnittlich 8,1 Prozent mehr als vor Jahresfrist, wie das Statistikamt Eurostat am Dienstag nach einer ersten Schätzung mitteilte. Ökonomen hatten nur mit 7,7 Prozent gerechnet.

Die Inflationsrate ist damit mehr als viermal so hoch wie das Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB), die 2,0 Prozent als optimales Niveau für die Wirtschaft anstrebt. Im März und April hatte die Teuerung im Währungsraum jeweils bei 7,4 Prozent gelegen.

Damit dürfte der Druck auf die Währungshüter noch einmal kräftig zunehmen, nach Jahren der weitoffenen Geldschleusen die Zinswende einzuleiten. Andere große Notenbanken wie die Fed in den USA haben angesichts des starken Preisauftriebs bereits die Zinsen erhöht.

Energiepreise steigen um fast 40 Prozent

EZB-Präsidentin Christine Lagarde (66) hatte kürzlich in Aussicht gestellt, dass die Währungshüter voraussichtlich bis Ende September die Ära der Negativzinsen beenden. Experten gehen derzeit davon aus, dass die Notenbank auf ihrer Zinssitzung am 9. Juni zunächst das Ende ihrer Staatsanleihenkäufe beschließen wird und dann im Juli erstmals die Zinsen erhöht. Es wäre die erste Zinsanhebung seit 2011.

Preistreiber waren erneut die hohen Energie- und Lebensmittelpreise. Energie verteuerte sich laut Eurostat im Zuge des Ukraine-Krieges im Mai zum Vorjahr um 39,2 Prozent, nach einem Anstieg von 37,5 Prozent im April. Die Preise für unverarbeitete Lebensmittel zogen um 9,1 Prozent an, nach zuletzt 9,2 Prozent. Dienstleistungen verteuerten sich im Mai um 3,5 Prozent.

Für Deutschland hatte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Montag in einer ersten Schätzung eine Rekord-Inflation von 7,9 Prozent für Mai gemeldet. Eurostat schätzte nun den Anstieg der Lebenskosten in Deutschland sogar auf 8,7 Prozent. Die höhere Eurostat-Zahl erklärt sich mit einer harmonisierten Berechnungsmethode für die 19 Länder der Währungsunion.

mg/Reuters, dpa-afx