Dienstag, 23. April 2019

EDF darf AKW Hinkley Point bauen Erster AKW-Neubau in EU seit Fukushima genehmigt

Bestehendes Atomkraftwerk Hinkley Point: Der benachbarte Neubau soll 21Miilliarden Euro kosten

Die britische Regierung hat dem Bau des Atomkraftwerk Hinkley Point unter Ägide von des französischen Konzerns EDF zugestimmt. Es ist der erste AKW-Neubau in Europa seit der Katastrophe von Fukushima. 

Großbritannien hat grünes Licht für den ersten Atomkraftwerks-Bau in der Europäischen Union (EU) seit der Katastrophe von Fukushima gegeben. Nach monatelangem Gezerre genehmigte die Londoner Regierung am Donnerstag das umgerechnet gut 21 Milliarden Euro teure Projekt Hinkley Point, das der französische Versorger EDF zusammen mit dem chinesischen Staatskonzern China General Nuclear Power im Südwesten Großbritanniens realisieren will.

Premierministerin Theresa May hatte Hinkley Point im Juli in letzter Minute gestoppt und Bedenken gegen die chinesische Beteiligung angeführt. Nun hat sich Großbritannien weitgehende Rechte ausgehandelt.

So soll EDF seine Kontrollbeteiligung an dem Kraftwerk vor der Fertigstellung nicht ohne Zustimmung der Regierung verkaufen können. Auch nach Aufnahme des Betriebs soll Großbritannien im Falle eines Verkaufs des EDF-Anteils an der Anlage eingreifen können.

EDF begrüßte die Entscheidung der britischen Regierung für Hinkley Point. Ein Berater des französischen Präsidenten Francois Hollande sagte, die britische Regierungschefin May habe Hollande persönlich am Telefon ihre Unterstützung zugesichert.

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Das Vorgehen der ehemaligen Innenministerin hatte Zweifel an ihrer Investitionspolitik vor allem gegenüber der Volksrepublik ausgelöst. Der chinesische Atomkonzern zeigte sich erfreut über die Genehmigung aus London. Aus der Volksrepublik fließen acht Milliarden Dollar in das Projekt.

Das Projekt ist auch aus anderen Gründen nicht unumstritten. So war im März EDF-Finanzchef Thomas Piquemal zurückgetreten, weil er Zweifel hatte, ob EDF die Milliardeninvestition stemmen kann.

EDF ist zu mehr als 80 Prozent im Besitz des französischen Staates. Der Konzern musste im vergangenen Jahr deutliche Gewinneinbußen hinnehmen und will bis 2018 fünf Prozent seiner Arbeitsplätze in Frankreich abbauen. Gewerkschaften hatten daraufhin gefordert, den teuren Neubau in England zu stoppen.

rei/dpa/Reuters

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