Projekt H2Med Startschuss für die erste EU-Wasserstoff-Pipeline

Deutschland kann 2030 auf grünen Wasserstoff hoffen – die Regierungen Spaniens, Portugals und Frankreichs haben sich auf den Bau einer Pipeline geeinigt, mit der die Dekarbonisierung der europäischen Industrie vorangetrieben werden soll.
Technisch herausfordernd: Staatslenker António Costa, Pedro Sánchez und Emmanuel Macron mit Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission

Technisch herausfordernd: Staatslenker António Costa, Pedro Sánchez und Emmanuel Macron mit Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission

Foto: J.M Fernandez / AP

Die geplante Wasserstoff-Pipeline zwischen Barcelona und Marseille gilt als ein Schlüssel für eine größere Energieunabhängigkeit der Europäischen Union (EU). Spaniens Ministerpräsidenten Pedro Sánchez (50), Portugals Premierminister António Costa (61) und Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron (44) einigten sich im Rahmen des Euromed-Gipfels im spanischen Alicante auf den Bau eines entsprechenden Leitungsnetzes. Das Vorhaben ist ein ebenso ehrgeiziges wie riskantes Projekt.

Was ist geplant?

Die "H2Med" oder "BarMar" genannte Pipeline war zunächst dafür gedacht, Gas und später grünen Wasserstoff von Spanien nach Frankreich und in andere EU-Länder transportieren. Mittlerweile ist sie als reine Wasserstoffleitung geplant. Grüner Wasserstoff wird aus Wasser durch Elektrolyse und unter Einsatz von erneuerbaren Energien hergestellt. Das Projekt soll die bislang geplante Pipeline "MidCat" ersetzen. Die Pläne für den Bau dieser Pipeline, die Gas über die Pyrenäen transportieren sollte, wurden wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit, des Widerstands Frankreichs sowie aufgrund von Umweltbedenken schließlich aufgegeben.

Was sind die Ziele des neuen Pipeline-Projekts?

Die Pipeline soll die Dekarbonisierung der europäischen Industrie vorantreiben, indem sie ihr Zugang zu sauberer Energie verschafft. Spanien und Portugal wollen weltweit führende Produzenten von grünem Wasserstoff werden. Beide Länder verfügen über zahlreiche Windparks und Solarkraftwerke.

Frankreich, Spanien und Portugal hatten im Oktober angekündigt, dass zunächst Gas durch die Pipeline transportiert werden solle, um die Abhängigkeit Europas von russischem Gas zu verringern. Spanien und Portugal verfügen über 40 Prozent der europäischen Kapazitäten zur Umwandlung von verflüssigtem Erdgas (LNG) in den gasförmigen Zustand, sind aber schlecht an den Rest Europas angeschlossen. Damit die Pipeline wie geplant bis zur Hälfte aus EU-Mitteln finanziert werden kann, wurden die Pläne jedoch überarbeitet. So soll die Leitung ausschließlich dem Transport von grünem Wasserstoff, also einem umweltfreundlichen Energieträger, dienen. Rund zwei Millionen Tonnen Wasserstoff soll jährlich durch die Pipeline fließen.

Warum Barcelona und Marseille?

Nach Angaben von Befürwortern des Projekts ist dies "die direkteste und effizienteste Art, die iberische Halbinsel mit Mitteleuropa zu verbinden". Marseille ist zudem ein guter Ausgangspunkt für die Versorgung des Rhônetals, Deutschlands und Norditaliens – Industrieregionen, die zu Großabnehmern von grünem Wasserstoff werden könnten.

Wann soll die Pipeline fertiggestellt werden und wie viel soll sie kosten?

Die Pipeline soll bis zum Jahr 2030 fertiggestellt werden und rund 2,5 Milliarden Euro kosten. Mit dem Bau soll Ende 2025 begonnen werden. Die Kosten für eine zusätzliche Pipeline zwischen der portugiesischen Stadt Celorico da Beira und der spanischen Stadt Zamora werden auf etwa 350 Millionen Euro geschätzt.

Welche technischen Schwierigkeiten bestehen?

Der Bau der Pipeline ist technisch herausfordernd. "Eine Offshore-Wasserstoffpipeline in dieser Tiefe und über diese Entfernung wurde noch nie gebaut", sagt der Energieexperte Gonzalo Escribano von der Madrider Denkfabrik Elcano. Für José Ignacio Linares, der an der Päpstlichen Universität Comillas in Madrid lehrt, besteht eines der Hauptprobleme in der Beschaffenheit des Wasserstoffs. Dieser besteht aus kleinen Molekülen, die durch die Verbindungsstellen der Pipeline entweichen und zudem Korrosion verursachen können. Aber diese Probleme "sind nicht unüberwindbar", betont der Ingenieur. So könne eine Membran im Inneren der Pipeline angebracht werden, um zu verhindern, "dass der Wasserstoff austritt oder das Metall angreift".

Welche wirtschaftlichen Risiken gibt es?

Ein größeres Risiko stellt nach Ansicht von Experten die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Projekts dar. "Es ist nicht klar, wann der Markt für grünen Wasserstoff in Schwung kommen wird und ob Spanien in der Lage sein wird, genug zu produzieren, um ihn zu exportieren", sagt der Energieexperte Escribano. Für Linares steht angesichts der zu erwartenden Bauzeiten aber fest, "dass wir es uns nicht leisten können, zu warten". Denn ansonsten bestehe die Gefahr, "dass wir am Ende eine riesige Menge an Wasserstoff haben, die wir nicht exportieren können".

hr/afp
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.