Sonntag, 26. Januar 2020

Hundefotos und die Holzhammermethode Dieses Duo soll Boris Johnson im Netz zum Sieg verhelfen

Ben Guerin und Sean Topham: Die beiden neuseeländischen Social-Media-Experten sollen für Boris Johnson die Wahl im Netz gewinnen

Darüber, wie er seinen Lebensunterhalt verdient, spricht Ben Guerin nur selten. Dabei gilt der Mittzwanziger, den mit seinem Ohrenpiercing und seinem jungenhaften Gesicht die Aura eines Studenten umgibt, als Meister seines Fachs. Eines ziemlich jungen Fachs. Guerin ist Social-Media-Berater. Ein "Digital Guru", eine "Meme machine", wie ihn unter anderem die australische Presse nennt, wo er dem konservativen Kandidaten Scott Morisson zu einem Überraschungssieg verholfen hat.

Seit einigen Monaten hat Guerin einen neuen Wohnsitz - und einen neuen Job. Er berät zusammen mit seinem Partner Sean Topham von der Kommunikationsberatung TG den britischen Premierminister Boris Johnson. Guerins Aufgabe dabei ist klar definiert: Er soll den Tories bei den Wahlen am kommenden Donnerstag zum Sieg verhelfen. Sein Schlachtfeld: Social Media.

Die sozialen Medien dürften bei den Wahlen am kommenden Donnerstag eine große Rolle spielen. Und das liegt an einer wohl einzigartigen Gemengelage, in die gleich eine Vielzahl von Faktoren hineinspielen.

Die Briten sind wahlmüde. Die aktuellen Wahlen sind das fünfte Mal innerhalb von rund fünf Jahren, dass sie für ein Referendum oder eine Wahl ihre Stimme abgeben sollen. Nun sollen sie schon wieder eine einschneidende Wahl treffen: Ob sie schnellstmöglich die EU verlassen werden - oder ob sie erneut über einen Verbleib abstimmen sollen.

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Die politischen Lager sind angesichts des schon Jahre dauerenden Hickhacks so aufgelöst wie nie zuvor. Nach Einschätzung von Wahlbeobachtern könnten mehr als drei Millionen Menschen bei diesen Wahlen zu Wechselwählern werden.

Bei etwas mehr als 46 Millionen Wahlberechtigten eine nicht unbeträchtliche Zahl - die sich angesichts des Wahlsystems in Großbritannien in manchen Wahlkreisen durchaus zum Zünglein an der Waage entwickeln kann. Denn in Großbritannien gilt ein Mehrheitswahlrecht: Nur der Kandidat, der in einem der 650 Wahlkreise die meisten Stimmen erhält, bekommt einen Sitz im Unterhaus.

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