Historischer Einbruch im zweiten Quartal Britische Wirtschaft schrumpft um 20 Prozent

Die Corona-Krise trifft Großbritannien deutlich härter als andere große Industriestaaten. Das Statistikamt spricht von der schwersten Rezession seit Beginn seiner Erhebungen.
Passantin in der City of London

Passantin in der City of London

Foto: DANIEL LEAL-OLIVAS/ AFP

Die britische Wirtschaft ist im Frühjahr wegen der Corona-Pandemie in Rekordtempo abgestürzt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) brach von April bis Juni um 20,4 Prozent zum Vorquartal ein, teilte das Statistikamt am Mittwoch in London mit. Kein anderes großes Industrieland hat ein so großes Minus gemeldet. Zum Vergleich: Die deutsche Wirtschaft schrumpfte im zweiten Quartal mit 10,1 Prozent nur etwa halb so stark. Da die britische Wirtschaft bereits im vorangegangenen Vierteljahr schrumpfte, befindet sie sich nun auch offiziell in der Rezession - die größte seit Beginn der Erhebungen, wie das Amt erklärte.

Die Pandemie hat Großbritannien besonders stark zugesetzt: Bislang wurden der Johns Hopkins University zufolge 313.394 Infektionen festgestellt, 46.611 Menschen starben im Vereinigten Königreich an Covid-19. Die Regierung von Premierminister Boris Johnson (56) hatte nach anfänglichem Zögern einen harten Lockdown durchgesetzt, der weite Teile der Wirtschaft zum Erliegen brachte.

Inzwischen gibt es aber auch Signale, dass die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt mit der Aufhebung vieler Beschränkungen wieder wächst. Im Juni allein legte sie um 8,7 Prozent zum Mai zu, wie das Statistikamt betonte. Die Industrieproduktion stieg im Monatsvergleich um 9,3 Prozent - der zweite Anstieg in Folge, aber immer noch 12,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. "Die Wirtschaft begann sich im Juni zu erholen", sagte Jonathan Athow vom Office for National Statistics. "Trotzdem liegt das BIP immer noch ein Sechstel unter dem Niveau vom Februar, bevor das Virus zuschlug."

Nach Prognose der britischen Notenbank wird das Bruttoinlandsprodukt dieses Jahr insgesamt um 9,5 Prozent fallen - ein Konjunktureinbruch, wie ihn Großbritannien seit rund 100 Jahren nicht mehr erlebt hat. Nächstes Jahr soll dann ein Wachstum von 9 Prozent folgen. Die Krise hinterlässt deutliche Spuren am Arbeitsmarkt: Im zweiten Quartal wurden so viele Jobs vernichtet wie seit der Finanzkrise 2009. Die Zahl der Beschäftigten fiel von April bis Juni um 220.000.

ak/reuters/dpa-afx
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