Sonntag, 21. April 2019

EU und IWF: Hitzige Diskussion der Gläubiger Warum die Drachme wieder ein Thema ist

Historische Drachmen: Der Plan B zum Euro-Austritt ist wieder gefragt

2. Teil: Von Konsens in Washington ist nichts mehr übrig

Denn der Internationale Währungsfonds spielt bei der Taktik der Euro-Partner, Griechenlands Probleme auf Dauer zuzudecken, nicht mit - so gern seine Chefin Christine Lagarde, die selbst einmal französische Finanzministerin war und ähnliche Beschlüsse zu Griechenland mittrug, das auch täte.

Was am Montag aus dem IWF-Direktorium in Washington drang, wirkte zunächst positiv für die Euro-Gruppe: Der IWF, der sich lange gegen eine Beteiligung am neuen Kreditprogramm gesträubt hatte, schien auf die Europäer zuzugehen.

Doch bei genauerem Hinsehen entpuppte sich das Statement als Dokument der Uneinigkeit - auch ohne das wichtigste Mitgliedsland USA, dessen Hauptvertretung in dem Gremium vakant ist. Von dem in Washington üblichen Konsens ist nichts übrig.

Nur "manche Direktoren", die von den Mitgliedstaaten entsandten Vertreter, halten regelmäßige Haushaltsüberschüsse von 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung in Athen getreu der Euro-Linie für machbar. Man kann raten, wer diese manchen sind: Der Deutsche Steffen Meyer und wenige europäische Kollegen.

"Die meisten Direktoren" hingegen - mutmaßlich die vor allem nicht-europäischen Geldgeber des IWF - befanden, dass es mit der Sparpolitik in Griechenland nach acht Jahren der Abwärtsspirale auch einmal reiche. Die absehbaren Überschüsse von 1,5 Prozent jährlich seien die Grenze, um die griechische Wirtschaft nicht noch weiter abzuwürgen und die Schuldenlast so erst recht zu erschweren.

Und diese Mehrheit findet sich laut Mitteilung in Einklang mit dem Urteil der IWF-Fachleute: In der Analyse, aus der mehrere Medien zitieren, werden die Ansprüche von Deutschland und Co. als "nicht tragfähig" beschrieben. Auch nach den jüngsten Zugeständnissen des ESM sei die langfristige Schuldenlast so hoch, dass der Fonds gegen die eigenen Regeln verstieße, wenn er dem bereits verbrannten Geld weiteres gutes hinterherwürfe.

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