Freitag, 19. April 2019

Griechenland vor Abschied vom ESM Das Ende der griechischen Krise - zumindest offiziell ...

6. Teil: Auch die verhasste Troika bleibt

Straßenszene im Zentrum Athens

Immerhin die Stimmungsindikatoren der griechischen Unternehmen notieren inzwischen im Plus, für die Dienstleistungsbranche schon länger deutlich, für die Industrie neuerdings ein kleines Stück. Nur das Verbrauchervertrauen liegt weiterhin tief im negativen Bereich, im Juni bei minus 52 Punkten - wenigstens nicht mehr minus 80, wie noch vor einigen Jahren.

Die Lage der privaten Haushalte ist weiterhin katastrophal, auch wenn die Arbeitslosenrate von 27 auf zuletzt 21 Prozent gesunken ist. Viele der neuen Jobs gibt es nur zu Minilöhnen, Renten und Sozialhilfe wurden radikal gekürzt. Die vielen Selbständigen (mit 29 Prozent Anteil EU-Rekord) sind ebenfalls von den Troika-Reformen betroffen: mit dem Ende von Treibstoffsubventionen für Bauern, mit neuer Konkurrenz für Apotheker, Bäcker, Ingenieure oder Notare.

Die Immobilienpreise - und damit der wesentliche Teil des Vermögens der Griechen - sind um mehr als 40 Prozent gefallen. Nach Angaben der Bank von Griechenland gelten 57,2 Prozent der Verbraucherkredite als Not leidend, nur leicht weniger als der vor zwei Jahren erreichte Rekordwert von 63,8 Prozent.

Obwohl ein Großteil der Kreditmilliarden zunächst als Kapitalhilfe an die griechischen Banken ausgezahlt wurde, werden sie noch lange damit beschäftigt sein, ihre Bilanzen zu reparieren. Von eventuell lohnendem Neugeschäft, um den Finanzmotor der Wirtschaft in Schwung zu bringen, kann da keine Rede sein. Die Kreditvergabe an den privaten Sektor geht kontinuierlich zurück.

Alles in allem ist Griechenland weiterhin ein wirtschaftliches Katastrophengebiet - mit nur leichten Anzeichen einer Erholung. Die wütenden Proteste sind Resignation gewichen.

Auch die verhasste "Troika" der ausländischen Aufpasser bleibt dem Land erhalten. Die verordnete Privatisierung von Bahn, Häfen oder Flughäfen zu Schleuderpreisen hat zwar nicht viel an der Finanzposition des Staats verbessert. Doch auch nach dem Auslaufen des ESM-Programms ist weitere Kontrolle vereinbart worden, damit Griechenland im Gegenzug Anleihengewinne der EZB zurückgezahlt bekommt.

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