Freitag, 19. April 2019

Griechenland vor Abschied vom ESM Das Ende der griechischen Krise - zumindest offiziell ...

5. Teil: Eine Boombranche ragt heraus

Touristen auf der Insel Santorin

Trotzdem sieht der IWF "die makroökonomischen Ungleichgewichte weitgehend beseitigt". Die Handelsbilanz von Waren und Dienstleistungen, die 2008 noch ein Defizit von mehr als 30 Milliarden Euro aufwies, ist auf ein Minus von weniger als zwei Milliarden Euro geschrumpft.

Das heißt jedoch nicht, dass sinkende Löhne und Preise dem Land eine florierende Exportindustrie beschert haben. Im reinen Warenhandel kaufen die Griechen nach wie vor fast doppelt so viel im Ausland ein, wie sie selbst verkaufen. Wichtigstes Produkt im Ex- und Import ist weiterhin Mineralöl, Agrargüter spielen auch noch eine überproportionale Rolle.

Einen wirklichen Exportboom aber gibt es nur in der Dienstleistungsbilanz. Der Tourismus brachte Griechenland 2017 Einnahmen von 14,6 Milliarden Euro, ein Plus von 10,5 Prozent. Die Zahl der Besucher hat sich seit 2012 fast verdoppelt - preislich ist der Wettbewerb mit anderen Mittelmeerländern wie Türkei oder Ägypten für Griechenland im Euro zwar kaum zu gewinnen, dafür punktet das Land mit Sicherheit.

Doch selbst das erklärt noch nicht, wie die Lücke in der Handelsbilanz (annähernd) geschlossen werden konnte. Hauptgrund war der starke Rückgang der Importe. Die Griechen konsumieren einfach viel weniger als vor der Krise - die Korrektur des Ungleichgewichts bedeutet einen Verlust an Wohlstand.

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