Sonntag, 21. April 2019

Griechenland vor Abschied vom ESM Das Ende der griechischen Krise - zumindest offiziell ...

3. Teil: ... ein Schuldenschnitt bleibt aber nötig - in einigen Jahrzehnten

Parthenon in Athen

Dennoch trägt Griechenland die größte Schuldenlast Europas. Ende 2017 belief sich die Staatsverschuldung auf 317 Milliarden Euro, oder 179 Prozent des BIP - und damit fast auf historischem Höchststand.

Das Land war schon mit hohen Schulden von gut 100 Prozent des BIP in die Krise gestartet - die verschiedenen Rettungspakete haben das Problem aber nur verschlimmert. Denn die Kredite der Euro-Länder und des IWF, die bisher 267 Milliarden Euro an Griechenland überwiesen (weitere 15 Milliarden sollen folgen), waren ja nichts anderes als neue Schulden, zum Großteil, um alte Schulden zu bedienen.

Zwar gab es im März 2012 auch einen Schuldenschnitt, sogar den größten der Geschichte, in dem private Gläubiger auf Forderungen von gut 100 Milliarden Euro verzichteten. Damit sank aber nur die absolute Höhe der Schulden. Noch schneller schrumpfte infolge der Sparpolitik die griechische Wirtschaft, sodass die Schuldenquote von 172 Prozent des BIP vor dem Schuldenschnitt schnell wieder übertroffen war.

Deshalb bemängelte der IWF, der sich am letzten Kreditprogramm nicht mehr beteiligte, in den vergangenen Jahren regelmäßig die mangelnde Tragfähigkeit der Programme und forderte - ebenso wie die griechische Regierung - einen Schuldenverzicht auch der staatlichen Gläubiger. Das mochten Merkel und Co. aber nicht vor ihren Wählern vertreten. Daher bleibt der Nennwert der Schulden, wie er ist.

Die Last soll trotzdem sinken, indem Zinsen gesenkt und die Rückzahlung verschoben werden. Zusätzlich wird ein Teil der Gewinne, die beispielsweise die Europäische Zentralbank mit den von Griechenland gezahlten Anleihenzinsen gemacht hat, nach Athen zurücküberwiesen.

Bis 2032 ist das Problem nicht mehr so drängend, Griechenland könnte also durchaus wieder Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit verkaufen. ESM-Chef Klaus Regling spricht vom "größten Akt der Solidarität, den die Welt je gesehen hat".

Der IWF ist in seinem jüngsten Bericht wohlwollend, aber weiter skeptisch, "dass die Verbesserung der Schuldenindikatoren langfristig nur unter sehr ambitionierten Annahmen über Wachstum durchzuhalten ist". Am Ende werde wohl doch noch ein Schuldenschnitt nötig sein - aber erst in einigen Jahrzehnten. Das kann den heutigen Entscheidern egal sein.

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung