Genehmigung für Total-Herbizid verlängert EU erneuert Genehmigung für Glyphosat für fünf Jahre

Monsantos Topseller Roundup: Wo Glyphosat ausgebracht wird, wächst keine grüne Pflanze mehr. Nach einer Entscheidung der EU darf das Total-Herbizid weiter eingesetzt werden - obwohl die WHO es für bedenklich hält

Monsantos Topseller Roundup: Wo Glyphosat ausgebracht wird, wächst keine grüne Pflanze mehr. Nach einer Entscheidung der EU darf das Total-Herbizid weiter eingesetzt werden - obwohl die WHO es für bedenklich hält

Foto: Denis Balibouse/ REUTERS

Die EU-Kommission verlängert die Zulassung für das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat um fünf Jahre. In einem Ausschuss hätten sich genügend Mitgliedsländer für die Erneuerung der Zulassung um fünf Jahre ausgesprochen, teilte die EU-Kommission am Montag mit. Sie werde die Entscheidung vor dem Ablauf der Glyphosat-Genehmigung Mitte Dezember umsetzen.

Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend ein. Untersuchungen von europäischen Lebensmittelsicherheits- und Chemiebehörden sowie aus Kanada und Japan bestätigen diesen Verdacht allerdings nicht.

Der Wirkstoff wird seit 40 Jahren auf Feldern eingesetzt. Er ist Kernbestandteil in dem umsatzstarken Mittel "Roundup" des US-Saatgutriesen Monsanto, den der deutsche Pharmariese Bayer  für mehr als 60 Milliarden Dollar kaufen will.

Nahles wirft Union "massiven Vertrauensbruch" vor

SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles sieht in der Zustimmung Deutschlands zur Verlängerung der Lizenz für den Unkrautvernichter Glyphosat einen "massiven Vertrauensbruch" innerhalb der geschäftsführenden Bundesregierung. Angesichts der einsamen und unabgestimmten Entscheidung von Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) stelle sich die Frage, ob Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre eigenen Leute noch im Griff habe, kritisierte Nahles am Montagabend vor einer Fraktionssitzung in Berlin

"Wir empfinden das wirklich als schwere Belastung", sagte sie auch mit Blick auf anstehende Gespräche mit der Union über eine Regierungsbildung. Man habe nach zwei Monaten gerade eine gescheiterte Jamaika-Sondierung erlebt. "Und ich kann nur hoffen, dass dieser 'Crash'-Kurs jetzt nicht fortgeführt wird."

Die EU-Kommission hatte die Zulassung für Glyphosat um fünf Jahre verlängert. Die Entscheidung war zuvor wiederholt vertagt worden, da die 28 Mitgliedsländer sich uneinig waren.

Glyphosat: Total-Herbizid wirkt auf alle grünen Pflanzen

Glyphosat ist ein sogenanntes Total-Herbizid, es wirkt auf alle grünen Pflanzen. Der Wirkstoff blockiert ein Enzym, das Pflanzen zur Herstellung lebenswichtiger Aminosäuren brauchen, das aber auch in Pilzen und Mikroorganismen vorkommt.

Wo Glyphosat ausgebracht wird, wächst kein Gras mehr - auch kein Kraut, Strauch oder Moos. Ackerflächen können so vor oder kurz nach der Aussaat und nochmals nach der Ernte unkrautfrei gemacht werden.

Glyphosat wird auf rund 400 Millionen Hektar überwiegend landwirtschaftlich genutzter Flächen eingesetzt, berichtete das Marktforschungsunternehmen Kleffmann Group. Zum Vergleich: Agrarflächen umfassen in Deutschland 16,7 Millionen Hektar.

Der vom US-Konzern Monsanto entwickelte Wirkstoff wurde 1974 erstmals zugelassen. Im Jahr 2000 lief das Patent aus, seither werden Glyphosat-haltige Produkte auch von anderen Herstellern angeboten. Verkauft werden jährlich rund 850 000 Tonnen solcher Mittel, in Deutschland sind es etwa 5000 Tonnen.

la/dpa/reuters
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