Gazprom Russland liefert Lettland kein Gas mehr

Ein weiteres EU-Land erhält offenbar kein Gas aus Russland mehr. Der Energiekonzern Gazprom hat mittgeteilt, seine Lieferungen nach Lettland eingestellt zu haben. Für Verwirrung sorgen unterdessen Aussagen des lettischen Versorgers Latvijas Gazeh.
Moskauer Machtspiele: Auch Lettland erhält keine Gazprom-Lieferungen mehr

Moskauer Machtspiele: Auch Lettland erhält keine Gazprom-Lieferungen mehr

Foto: NATALIA KOLESNIKOVA / AFP

Der russische Energiekonzern Gazprom hat nach eigenen Angaben die Gaslieferungen nach Lettland eingestellt. Das Unternehmen verwies in einem Eintrag in dem Online-Dienst "Telegram" am Samstag auf "Verstöße gegen die Bedingungen für die Gasentnahme". Westliche Staaten werfen Russland jedoch vor, seine Energielieferungen als Reaktion auf Sanktionen wegen des seit Ende Febraur andauernden Militäreinsatzes in der Ukraine zu reduzieren.

Russland hatte zuletzt bereits die Gaslieferungen in mehrere andere EU-Länder eingestellt, darunter Polen und Bulgarien, weil diese sich geweigert hatten, in Rubel zu bezahlen. Kremlchef Wladimir Putin (69) hatte diese neue Regelung als Reaktion auf die Sanktionen der EU gegenüber Russland eingeführt. Üblich waren zuvor Zahlungen in den Währungen Euro oder Dollar. Auch Dänemark, Finnland und die Niederlande werden nicht mehr mit russischem Gas beliefert.

Die Regierung in Lettland hatte zuletzt erklärt, dass sie von Januar 2023 an komplett auf den Import von russischem Gas verzichten wolle. Im vergangenen Jahr kaufte Lettland noch etwa 90 Prozent seines Gases in Russland.

Verwirrung um lettische Gaslieferungen

Unterdessen gibt es jedoch widersprüchliche Meldungen um die lettische Gasversorgung. Der größte lettische Versorger Latvijas Gazeh hatte erklärt, er beziehe zwar Gas aus Russland, aber nicht von Gazprom. Den Namen des Anbieters teilte Unternehmenschef Aigars Kalvitis (56) allerdings nicht mit, das sei ein Geschäftsgeheimnis.

Gazprom hatte in den vergangenen Woche bereits die Lieferungen nach Deutschland über die Leitung Nord Stream 1 stark gedrosselt. Am Mittwoch kündigte der Konzern an, die Liefermenge über die Ostsee-Pipeline erneut zu halbieren. Damit wird die Kapazität der Pipeline nur noch zu 20 Prozent genutzt. Gazprom führte technische Gründe aufgrund der Wartung einer Siemens-Turbine dafür an, was von deutscher Seite bezweifelt wird.

Die Kürzungen machen es Deutschland und anderen EU-Ländern schwerer, wie geplant die Gasspeicher für den Winter füllen. Fehlende Mengen müssen kurzfristig und teuer auf dem engen Markt nachgekauft werden. So hatte die Netzagentur erklärt, die Versorgungslage sei angespannt, eine weitere Verschlechterung könne nicht ausgeschlossen werden. Die Bundesregierung sucht daher intensiv nach Alternativen zu russischem Gas.

hr/DPA, AFP, Reuters
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