Hohe Vorräte, milder Winter Großhandelspreise für Gas sinken weiter

Der europäische Gaspreis hat zum Jahresauftakt seine Talfahrt dank der ungewöhnlich milden Wintertemperaturen fortgesetzt. So günstig wie derzeit war europäisches Gas zuletzt im Februar 2022 vor Beginn des Krieges in der Ukraine.
Reserven: Der Füllstand in allen deutschen Gasspeichern lag zu Silvester bei 90,12 Prozent

Reserven: Der Füllstand in allen deutschen Gasspeichern lag zu Silvester bei 90,12 Prozent

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Angelika Warmuth/ dpa

Die Großhandelspreise für Gas in Europa sind weiter gesunken. Der als Referenz geltende Terminkontrakt TTF an der Energiebörse in den Niederlanden lag am Montagvormittag bei 72,75 Euro pro Megawattstunde für Lieferungen im Februar. Das ist der niedrigste Stand seit dem 21. Februar 2022.

Der Gaspreis war bereits ab Herbst 2021 und dem Beginn der Drosselung russischer Gaslieferungen nach Europa gestiegen. Ab dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine am 24. Februar 2022 legte er dann sprunghaft weiter zu. Am 7. März 2022 erreichte der TTF seinen bisherigen Höchststand von 345 Euro pro Megawattstunde. Damals löste ein Lieferstopp durch Russland einen Höhenflug aus. Ende August lag der Preis fast genauso hoch, bei etwas über 342 Euro.

Der derzeitige Abwärtstrend gehe zurück auf "hohe Gasvorräte, die aufgebaut wurden, und eine sich abschwächende Nachfrage, die vor allem auf günstige Wetterbedingungen zurückzuführen ist", sagt der Marktexperte Sebastian Paris Horvitz. "Das ist eine gute Nachricht für die europäischen Staaten und die Volkswirtschaften der Region."

Mehr Energie aus Windkraft gewonnen

Derzeit dämpft das milde Wetter den Verbrauch. So kletterten zum Jahreswechsel in Deutschland die Temperaturen regional vereinzelt auf mehr als 20 Grad. Der Deutsche Wetterdienst verzeichnete den wärmsten Silvestertag seit Beginn der Aufzeichnungen. Außerdem wurde zuletzt deutlich mehr Energie aus Windkraft gewonnen, was den Verbrauch von Gas zur Stromerzeugung verringert. In Deutschland wird auch Gas eingespeichert. Dem europäischen Speicherverband GIE zufolge betrug der Füllstand in allen deutschen Speichern zu Silvester 90,12 Prozent. Die Reserven sind damit den elften Tag in Folge gestiegen.

Bundesfinanzminister Christian Lindner (43) erwartet unterdessen dauerhaft hohe Energiepreise. "Es wird ein neues Normal sein. Gas über die Flüssiggasterminals ist schon aus logistischen Gründen teurer als das russische Pipeline-Gas", sagte der FDP-Vorsitzende der "Bild am Sonntag". Das Preisniveau bleibt nach seiner Einschätzung höher, "aber ohne ruinöse Spitzen".

hr/afp,dpa
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