Sonntag, 15. Dezember 2019

Autofabrik neben altem Atomkraftwerk Wie Frankreichs Umweltministerin Tesla nach Fessenheim locken will

Tesla Model 3: Strahlende Zukunft in Fessenheim?

Vor wenigen Tagen erst hat Tesla-Chef Elon Musk das Model 3 vorgestellt. Schon entbrennt in Europa bereits die Schlacht um einen möglichen neuen Europa-Standort des Autobauers. Geht es nach der französischen Umweltministerin Ségolène Royal, wird Musk sein Glück in Frankreich finden. Der ideale Standort liegt für sie auf der Hand: Das ehemalige Atomkraftwerk Fessenheim im Elsass.

Die Idee, Tesla nach Fessenheim zu holen, hat sie dem Tesla-CEO nach eigenen Worten auch schon unterbreitet. "Ich habe ihm gesagt, ich habe einen Ort für Sie", wurde Royal in der französischen Zeitung "Le Figaro" zitiert. Es wäre doch toll, wenn man mit der Schließung des Atomkraftwerkes Fessenheims auch den Neustart eines neuen Projektes verkünden könne, meinte Royal. "Man schlägt eine neue Seite auf und schaut in die Zukunft." Und schließlich seien Elektroautos eine Zukunftsindustrie.

Nach der für 2018 avisierten Schließung des Atomkraftwerks brauchen Schätzungen zufolge rund 2000 Beschäftigte in der Region Fessenheim einen neuen Job. Platz für ein neues Werk gibt es dort offenbar genug. Berichten zufolge verfügt Akw-Betreiberin Electricité de France (EdF) dort über überschüssiges Gelände, das bislang nicht genutzt wird.

Bislang unterhält Tesla nur eine Fabrik in Europa, in Tilburg in den Niederlanden. Dort werden bislang Fahrzeuge des Typs Model S und X für europäische Kunden fertiggestellt. Angesichts steigender Nachfrage wird jedoch erwartet, dass Tesla in Europa einen weiteren Produktionsstandort aufmachen wird. Berichten zufolge hat Musk bereits Überlegungen zum Bau zweier neuer Fabriken, einer in China und einer in Europa, artikuliert.

Nach Angaben Royals schwankt Musk bei der Wahl eines möglichen Europa-Standortes zwischen Deutschland und Frankreich, wie der "Figaro" berichtet. Darauf habe sie gesagt. "Warum nicht an der deutsch-französischen Grenze?"

Von Interessensbekundungen deutscher Standorte ist indes noch nichts bekannt. Im Bundeswirtschaftsministerium wollte man die Überlegungen Royals am Mittwoch nicht kommentieren. Bei der Zusammenkunft Musks mit Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel im September war das Thema europäischer Standort offenbar kein Thema.

Im Osten Deutschland wird unterdessen durchaus über ein mögliches neues Tesla-Werk nachgedacht. " Tesla baut Gigabatteriefabrik in Cottbus" titelte dort kürzlich eine Lokalzeitung. Das Ganze war allerdings nur ein Aprilscherz.

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung