300.000 Arbeitsplätze in Gefahr Frankreich will Luftfahrtbranche mit 15 Milliarden Euro retten

Mehr als 100.000 Menschen arbeiten in Frankreich in der Luftfahrtbranche. Die Corona-Pandemie hat den Luftverkehr quasi zum Erliegen gebracht. Die Branche gerät in eine noch nie da gewesene Krise. Paris greift nun sehr tief in die Tasche, um seinen "nationalen Stolz" zu retten.
Airbus A400M Atlas Transportflugzeug: "Die Luftfahrtbranche ist unser Nationalstolz" (Bruno Le Maire, französischer Wirtschafts- und Finanzminister

Airbus A400M Atlas Transportflugzeug: "Die Luftfahrtbranche ist unser Nationalstolz" (Bruno Le Maire, französischer Wirtschafts- und Finanzminister

Foto: Christophe Gateau/ DPA

Mit einem 15 Milliarden Euro schweren Rettungspaket will Frankreich seine wegen der Corona-Krise strauchelnde Luftfahrtbranche stützen. "Heute Morgen rufen wir also den Ausnahmezustand aus, um unsere Luftfahrtindustrie zu retten", sagte Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire am Dienstag. In den kommenden Monaten seien 100.000 Arbeitsplätze in Gefahr. "100.000 Arbeitsplätze, die verschwinden könnten, wenn wir jetzt nicht handeln", warnte der Minister. An den Hilfen für die gebeutelte Industrie hängen auch ehrgeizige Pläne für umweltfreundlichere Flugzeuge.

Nach acht Milliarden Euro für die Autoindustrie und 18 Milliarden Euro für die Tourismusbranche ist in Frankreich nun die Luftfahrt an der Reihe. "Sie ist ein Nationalstolz und einer der größten industriellen Erfolge unserer Nation im 20. Jahrhundert", so der Minister. In den vergangenen Jahrzehnten sei sie kontinuierlich gewachsen, die Auftragsbücher von Airbus Group  seien gefüllt gewesen. Allein bei dem Luft- und Raumfahrtkonzern mit Schaltzentrale in Toulouse arbeiten rund 48.000 Menschen.

In der ganzen Branche gehe um 300.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze, so der Minister. "Die Krise hat dieses Wachstum abrupt zum Stillstand gebracht", sagte Le Maire. Es werde erwartet, dass der Luftverkehr erst in zwei oder drei Jahren wieder das Niveau vom Dezember 2019 erreicht. "Wir müssen unsere Luftfahrtindustrie retten."

Erklärtes Ziel: Kohlenstoffneutrales Flugzeug bis 2035

In dem 15-Milliarden-Euro-Plan stecken bereits angekündigte sieben Milliarden Euro Kredithilfen für Air France-KLM  . In den kommenden drei Jahren sollen außerdem 1,5 Milliarden Euro für die Forschung und Entwicklung in umweltfreundliche Technologien investiert werden. Das Ziel sei ein kohlenstoffneutrales Flugzeug bis 2035. Man werde die nächsten Generationen von Verkehrsflugzeugen, Hubschraubern und Geschäftsflugzeugen entwickeln, so Le Maire. Sie seien mit neuen Antriebssystemen ausgestattet und würden weniger CO2 ausstoßen. "Was auf dem Spiel steht, ist Europas Platz in der Weltindustrie im kommenden Jahrhundert", warnte der Minister.

Man werde nicht zulassen, dass der weltweite Flugzeugbau zwischen China mit dem aufstrebenden Hersteller Comac und den USA mit dem US-Konzern Boeing (Kurswerte anzeigen) aufgeteilt werde, Frankreich und Europa würden dort ihren Platz behalten. Um Airbus zu unterstützen, zieht der französische Staat Aufträge für Tankflugzeuge und andere militärische Ausrüstung vor.

Frankreich, Deutschland und Großbritannien vereinbarten außerdem einen einjährigen Aufschub bei der Rückzahlung staatlich garantierter Flugzeugkredite. Diese Entlastung belaufe sich auf 1,5 Milliarden Euro.


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Des weiteren sollen mittelständische Zulieferer mit einem Investitionsfonds von bis zu einer Milliarde Euro unterstützt werden. 300 Millionen Euro seien zudem dafür vorgesehen, Zulieferern bei der Modernisierung ihrer Fabriken zu helfen. Man hinke bei der Digitalisierung hinterher und wolle nicht hinter Deutschland oder Italien zurückfallen.

Es sei das erste Mal, dass Industriegiganten wie Airbus, Safran, Dassault  und Thalès sich darauf geeinigt hätten, Gelder zusammenzulegen, um die französische Industriestruktur zu stützen, sagte Le Maire weiter. Airbus-Chef Guillaume Faury hatte zuvor angesichts der Corona-Krise und ihrer Folgen von einer existenziellen Bedrohung für die Branche gesprochen.

Ein großes Thema ist auch die Lage der Zulieferer. Éric Trappier, Chef von Dassault Aviation und Vorsitzender des französischen Branchenverbandes GIFAS, hatte von rund 400 Zulieferern gesprochen, die betroffen seien.

mg/dpa-afx
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